Osterfestival Imago Dei

GEGEN.LICHT

Licht. Metapher für Gott, das Göttliche, für Macht, für das Reine und Schöne, für Erkenntnis und – spätestens seit der Aufklärung – für kritische Vernunft. Das ist mittlerweile Allgemeingut.

Gesamtes Vorwort von Jo Aichinger (Künstlerischer Leiter) lesen

GEGEN.LICHT

Licht. Metapher für Gott, das Göttliche, für Macht, für das Reine und Schöne, für Erkenntnis und – spätestens seit der Aufklärung – für kritische Vernunft. Das ist mittlerweile Allgemeingut.

Gegenlicht. Die Dualität von Licht und Finsternis, von Tag und Nacht wird in den Schöpfungsmythen – nicht nur der biblischen Genesis – aus dem Chaos geschaffen, es entsteht die erste Ordnung der Welt. Der Übergang von der Nacht zum Tag – die „Be-licht-ung“ – ist oft der Göttin der Morgenröte zugeschrieben, in der griechischen Antike Ēōs, woraus sich möglicherweise über das Althochdeutsche ōstarun unser Wort „Ostern“ entwickelt.

Ēōs’ lateinisches Pendant, Aurora, verleiht wiederum dem Nordlicht seine wissenschaftliche Bezeichnung „Aurora borealis“. Die Auferstehung Jesu wird im Neuen Testament ebenfalls mit der Morgenröte in Verbindung gebracht: „Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, […].“ (Mk 16, 9) Auf symbolischer Ebene steht die Morgenröte für die Auferstehung, die Erlösung, auch in der Mystik Hildegard von Bingens: „Aus dem Leuchten der Morgenröte sah ich einen sehr hellen Menschen hervorgehen, welcher seine Klarheit in das erwähnte Dunkel ergoss und von diesem zurückgeworfen wurde.“

Die islamische Mystik, der Sufismus, kennt Vergleichbares. Der Begründer des Derwisch-Ordens, Dschalāl ad-Dīn Rūmī, schreibt im 13. Jahrhundert: „Da ist ein Morgen in deinem Inneren, der nur darauf wartet, in Licht aufzubrechen.“ Von den Sufis werden die muslimischen Meditationsübungen zur Vergegenwärtigung Gottes, die Dhikrs, besonders intensiv ausgeführt. Der Sufismus gewinnt Inspiration von Vers 35 der 24. Sure des Korans, dem sogenannten Lichtvers: „Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. […] Licht über Licht. Gott führt zu seinem Licht, wen Er will […].“

Und heute? Das Licht der Mystik hat sich zu zweifelhaften Esoterik-Angeboten verdunkelt, die von immer mehr Menschen der modernen Gesellschaft angenommen werden. Gleichzeitig wird die Dunkelheit mit künstlichem Licht geflutet, es herrscht „Lichtzwang“ (Paul Celan), der ablenkt von der Dunkelheit der eigenen Seele, von der Selbstreflexion. Das Licht der kritischen Vernunft Immanuel Kants hat sich durch Solutionismus, Fortschrittsglauben und Konsumismus verdüstert. Die derzeitigen Krisen, die unsere Zivilisation gefährden, sind Folgen eines unreflektierten Einsatzes der Vernunft und unkritischer Wissenschaftsgläubigkeit. Schon die Epoche der Romantik reagiert auf die Aufklärung mit der Thematisierung einer durch die Industrialisierung menschenfeindlich gewordenen Umwelt und fordert eine Verschmelzung der Widersprüche von Verstand und Gefühl, von Natur und Gesellschaft. So wurden auch die dunklen, nicht durch Vernunft erklärbaren Seiten der Seele – das Unbewusste, Ängste, Träume – zu Motiven der Kunst.

Und ist nicht alles Licht aus dem Nichts, der Finsternis, der Dunkelheit entstanden? Dass der Großteil des Universums aus Dunkler Materie bzw. Energie bestehen soll, ist eine von vielen Astrophysikern vertretene These. Ein japanisches Sprichwort sagt: „Wer nicht ums Dunkel weiß, kann das Licht nicht erkennen.“ Für die Dunkelheit haben wir Menschen keinen Sinn, wir können aber auch mit den Augen nur einen Bruchteil des Spektrums der elektromagnetischen Wellen wahrnehmen. Werden diese physischen Einschränkungen durch künstliche Intelligenz überwunden werden können? Wird das „Licht der Vernunft“ in Zukunft nur in und aus Maschinen leuchten?

Schließlich meint die Lichtmetapher der Aufklärung Transparenz, Durchsichtigkeit. Heute wird, um Machtmissbrauch zu verhindern, umfassende Information vor allem von den politischen Akteuren gefordert. Dass diese Forderung aber für die Demokratie (ein Erbe der Aufklärung) nicht ungefährlich ist, begründet der Philosoph Byung-Chul Han in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ damit, dass „Transparenz nur dort laut [wird], wo Vertrauen schwindet“. Und: „Totale Transparenz ist nur durch totale Kontrolle möglich, und die gibt es nur in einer Diktatur.“ Das, was die Gesellschaft von den Politikern fordert, gilt nämlich auch umgekehrt. Die Durchleuchtung des Einzelnen durch den Staat nimmt immer absurdere, dunklere Formen an. Das, was derzeit in China bereits gang und gäbe ist, könnte jederzeit auch in der westlichen Welt Platz greifen und uns alle betreffen. Die Macht des Lichts wird zur Macht der Finsternis.

IMAGO DEI 2020 will die Spektren des Gegenlichts reflektieren, den Spuren vom Licht in die Dunkelheit nachgehen, die Übergänge von Nacht in den Tag in die Nacht hör- und sichtbar machen, Visionen von Licht und Gegenlicht, von der Auferstehung bis zur Apokalypse, eröffnen, die Klänge des Lichts und des Dunkels auf ihren irdischen und sphärischen Bahnen begleiten: im Spannungsfeld zwischen Religionen und Kulturen des Westens, Nahen und Fernen Ostens.

„Lux Aeterna“ flackert im Eröffnungskonzert mit dem baltischen Chor Jauna muzika. Der japanische Sound-Artist Akio Suzuki lobt den Schatten. Am Himmel tanzen die Plejaden zu den Rhythmen von Slagwerk Den Haag. Paul Gulda und Johannes W. Zincke begeben sich aus dem romantischen Mondschein Beethovens in musikalische Mysterien Skrjabins und Illuminationen unserer Zeit. Das isländische Ensemble Nordic Affect dringt in die naturgewaltigen Räume zwischen Licht und Dunkelheit ein. Das Frauenensemble Lemma aus dem Südwesten Algeriens öffnet mit seinen Gesängen, Tänzen und sufistisch beeinflussten Ritualen das Tor zur glühenden Sahara. Die Kremerata Baltica mit ihrem Leiter Gidon Kremer sprechen mit Musik von Haydn und Schostakowitsch letzte Worte im hymnisch und dunkel leuchtenden Streicherklang. Das Ensemble PHACE spannt einen schillernden Klangbogen vom Kerzenlicht zum Polarlicht. Cantando Admont singt eine Symphonie aus Harmonien Hildegard von Bingens und Claudio Monteverdis, ägyptischen und griechischen Mythen. Das Gambenconsort ORLANDOviols öffnet den Osterhimmel zu den Sphärenklängen.

Jo Aichinger

 

Osterfestival Imago Dei 2020

ABGESAGT: Jauna Muzika

LUX AETERNA

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Archiviert

ABGESAGT: Die Ankunft der Glühwürmchen

Musikalisches Märchen für Kinder (3 – 10 Jahre) und Familien

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Archiviert

ABGESAGT: Slagwerk Den Haag

PLEJADEN

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Archiviert

ABGESAGT: Nordic Affect

NORDLICHT

Einstimmung: Peter Sloterdijk

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Archiviert

ABGESAGT: Ensemble Lemma

GLÜHENDE WÜSTE

Einstimmung: Raoul Schrott

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Archiviert

ABGESAGT: PHACE

LICHTBOGEN

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Abgesagt

ABGESAGT: ORLANDOviols

SPHÄRENMUSIK

Osterfestival Imago Dei Krems Klangraum Krems Minoritenkirche Klangraum Krems Minoritenkirche

Abgesagt

Es wurden keine passenden Termine gefunden.

Alles zum Osterfestival Imago Dei

 

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden