Freitag
30. März 2018

Klangraum Krems Minoritenkirche

19:00

Einführung von Rainer Lepuschitz

Marino Formenti & Jorge Sánchez-Chiong
Komposition, Improvisation, Interpretation, basierend auf Stücken und Fragmenten aus dem Brautbuch, Studien- und Skizzenbüchern von Robert Schumann

 

30,- / 27,-

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Marino Formenti & Jorge Sánchez-Chiong Mad Bob - Uraufführung

Auflösung Der Grenzen


Der Traum kennt keine Ordnung und Linearität, sondern ist gebrochen, fragmentarisch. 

Das Duo Marino Formenti und Jorge Sánchez-Chiong will mit seiner Musik auf eine konstruktive Logik, auf die Illusion einer sprachlichen Vollständigkeit verzichten. Sie will wie der Traum sein, und auch eine vielleicht ehrlichere Entsprechung menschlichen Denkens und Fühlens: dialektisch, sich widersprechend. „Als kompositorisch ausgebildeten Interpreten hat mich immer die Grenze zwischen Komposition und Interpretation genervt“, sagt der Pianist Formenti. 

Da Musik kein starres Objekt ist, und schon gar kein Produkt, sondern bewegte Luft, wollen Formenti und Sánchez-Chiong im Klangraum Krems Minoritenkirche die Grenze zwischen Interpretation und Komposition, die Zweiteilung von Repertoirepflege und Schöpfertum, letztlich die Grenze zwischen Leben und Musik auflösen. Was könnte sich besser eignen für dieses Ineinanderfließen von Nachschaffen und Neuschaffen als Skizziertes, Fragmentarisches, wie es mit Studienund Skizzenbüchern Robert Schumanns und seinem Brautbuch mit Clara Wieck-Schumann überliefert ist. 

Dieses Urmaterial Schumanns – Aufzeichnungen von Experimenten, harmonischen, rhythmischen und kompositionstechnischen Versuchen, aber auch musikalische Fragmentierungen von Liebestreffen der Brautleute – wird für Formenti am Klavier und Sánchez-Chiong an Turntables/Electronics zum Ausgangspunkt für kreative Interpretation mit neu dazu Komponiertem in teilweise unkonventionellem Klavierklang und in viel Elektronik gehüllt. 

Formenti und Sánchez-Chiong verschmelzen mit Schumann und seinen bipolaren Alter Egos Florestan und Eusebius (Teufel und Engel, Täter und Opfer, Passionierter und Transzendierender). Da schon Schumann in vollendeten Kompositionen mehr und mehr auf eine „logische“ Geschlossenheit verzichtet und die klassische narrative Form bricht, gehen auch „fertige“ Kompositionen wie die „Davidsbündlertänze“ oder die „Geister-Variationen“ in das Konzert ein und werden unmanieriert und irrational weitergeführt. 

Kompositionsauftrag Land Niederösterreich

 

Jorge Sánchez-Chiong, Robert Schumann, Marino Formenti

Jorge Sánchez-Chiong, Robert Schumann, Marino Formenti