Freitag
23. März 2018

Klangraum Krems Minoritenkirche

19:00

VORTRAG
Die Lust der Fiktionen und das wahre Leben
Robert Pfaller
(Philisoph)

Helmut Lachenmann
Salut für Caudwell
Gunter Schneider, Barbara Romen
(Gitarre)

Steve Bates
Black Seas Uraufführung
Black Seas Ensemble

Steve Bates (Gitarre, Computer, FM Transmitter und Radio, Electronics)
Martin Brandlmayr (Drums, Vibraphon, Transducers, Realtime-Samplesetup)
Angélica Castelló (Paetzold-Flöten, Tapes & Electronics)
Christof Kurzmann (lloopp, Stimme)
Michaela Grill (Live-Video)
Burkhard Stangl (Gitarren, Electronic Devices)


26,- / 24,-

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Robert Pfaller / Duo Schneider-Romen / Black Seas Ensemble Salut für Caudwell / Black Seas

Illusionen Der Wahrheit


Vortrag: Die Lust der Fiktionen und das wahre Leben Robert Pfaller

Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als müsste man die Lust und die Fiktionen aufgeben, sobald das wahre Leben beginnt: erwachsen werden, Schluss machen mit Spielen und Spinnen etc.

Auf den zweiten Blick aber zeigt sich: das Realitätsprinzip ist nicht das Gegenteil, sondern lediglich die Verlängerung des Lustprinzips. Es ist die Lust selbst, die hier Wahrheit will.

Das bedeutet allerdings nicht notwendigerweise, dass die Fiktionen nun verschwinden müssten. Sie können vielmehr weiter behalten und als durchschaute Illusionen zärtlich gehegt werden - so bringen sie jene Momente, für die es sich zu leben lohnt. Diese Illusionen im Namen der Wahrheit zerstören zu wollen, zeugt von einem sehr kindlichen Eifer und Mangel an Humor. So ergibt sich eine völlig neue Bedeutung des Ausgangssatzes. Er lautet nun: Man muss erwachsen sein, um ein Leben haben zu können, das seinen Namen verdient.​

„Illusion und Wirklichkeit“ lautet der Titel des Buches von Christopher Caudwell, aus dem Helmut Lachenmann in seinem Gitarren-Duo „Salut für Caudwell“ zitiert. 

„Caudwells Forderung im ästhetischen Bereich galt einer Kunst, die ihre Bedingungen kennt und ausdrückt im Namen einer Freiheit, welche den Menschen ermutigt, statt den Kopf in den Sand zu stecken oder in private Idyllen zu flüchten, sich mit der Wirklichkeit und ihren vielschichtigen Widersprüchen realistisch auseinanderzusetzen“, so beschreibt Lachenmann seine Motivation, Caudwells eigene Worte neben mehreren Salutschüssen für den im Kampf gegen die Franco-Diktatur in Spanien gefallenen britischen Dichter in das Gitarrenwerk einzubeziehen. Die Worte sind gleichzeitig Hinweise auf die Substanz der instrumentalen Komposition. „Ich bin von charakteristischen Spielformen der Gitarre ausgegangen, habe sie in ihren grifftechnischen Details vereinfacht, zugleich aber auch umgeformt und neu entwickelt – oft über die Grenzen hinaus“, überwand der deutsche Komponist eine bis dahin bestehende, musikalische Praxis. 

Mit Geschichten von Träumen, Illusion und Desillusion ist Vergangenheit komplex verwoben. 

Auch wenn diese Phänomene von einander abweichen, durchkreuzen sie sich ebenso auf fesselnde und faszinierende Weise. Diese Beobachtung führte Steve Bates, der im März zum zweiten Mal als Artistin- Residence in Krems zu Gast ist, zu einer schöpferischen Auseinandersetzung mit historischen und zeitgenössischen Erfahrungen der auditiven Halluzination in Bezug auf Literatur, Bildende Kunst, Musik und Wissenschaft. Für die Performance „Black Seas“ schuf er eine Komposition, in der die Musiker halluzinatorische Erfahrungen im musikalischen Zusammenhang beschreiben. Das Ziel ist dabei nicht die Erzeugung von auditiver Halluzination, vielmehr in dem aus ihr entstehenden Klangreichtum Inspiration zu suchen. Somit betrachtet Steve Bates mit „Black Seas“ Erfahrungen mit der auditiven Halluzination als Möglichkeit, im Musizieren Begehren, Komplizenschaft und Anderssein zu erfahren. Der Klangraum Krems Minoritenkirche wird zur Beobachtungsstation von Wahrnehmung. 

 

Robert Pfaller

Robert Pfaller

Steve Bates

Steve Bates