Freitag
16. März 2018

Klangraum Krems Minoritenkirche

19:00

OCCITANIA
Ensemble Organum

Cécile Collardey
Mathilde Daudy
Cathy Delorme
Lisa Langlois
Marie Madeleine Moureau
Marcel Pérès
(Stimmen)

Okzitanische Lieder aus 1000 Jahren

 

20:30

Karlheinz Stockhausen
STIMMUNG
SoloVoices

Svea Schildknecht (Sopran)
Francisca Näf (Mezzosopran)
Anne-May Krüger (Mezzosopran)
Jean-Jacques Knutti (Tenor)
Christian Zehnder (Bariton)
Jean-Christophe Groffe (Bass)
Florian Bogner (Klangregie)

 

30,- / 27,-

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Ensemble Organum / Ensemble SoloVoices Occitania / Stimmung

Sehnsucht Nach Dem Unerreichbaren

 

19:00

Occitania Ensemble Organum

Eine lange Nacht von fast acht Jahrhunderten haben die Menschen im Süden Frankreichs ihre Träume in einer Sprache besungen, die ihnen von den Machthabern zu sprechen verboten war. Das Ensemble Organum verwandelt den Klangraum Krems Minoritenkirche in eine okzitanische Klangregion und begibt sich auf die Spuren des lyrischen und musikalischen okzitanischen Schaffens von der Gegenwart bis zurück in das 11. Jahrhundert.

Eine lange Nacht von fast acht Jahrhunderten lebte die okzitanische Sprache im Süden Frankreichs nur im Verborgenen. Unter der Herrschaft des französischen Königs und nach der Revolution der neuen Machthaber mussten die Menschen offiziell die französische Sprache sprechen. Doch von den Trobadores an, den Minnesängern in den Regionen um Bordèu (Bordeaux) und Marselha (Marseille) bis nach Niça (Nice), wurde das Okzitanische als Ausdrucksform einer eigenen Welt gepflegt. Damit konnten auch alle jene Träume ausgesprochen und verwirklicht werden, die innerhalb der französischen Gesellschaft nicht gesagt und gelebt werden durften. Die Sprache der Menschen in diesen riesigen Landstrichen zwischen Tyrrhenischem Meer und Atlantik hatte sich um das Jahr 1000 aus dem Lateinischen entwickelt, erst Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts bekam sie eine offizielle Anerkennung. Eng verbunden mit der okzitanischen Sprache war die christliche Religion der Katharer, die sich als asketische Gegenbewegung zur mächtigen katholischen Kirche entwickelt hatte und von der Inquisition verfolgt und in Kreuzzügen vernichtet wurde. Gepredigt haben die Katharer – Männer UND Frauen – nicht auf Lateinisch, sondern in ihrer Volkssprache.

Ihre Träume haben Menschen in Okzitanien in Liedern besungen. Die Musik wurde zum Ausdruck ihrer Kultur, ihrer Hoffnungen und Sehnsüchte, die letztlich unerreicht blieben. 

Das Ensemble Organum verwandelt den Klangraum Krems Minoritenkirche in eine okzitanische Klangregion und begibt sich auf die Spuren des lyrischen und musikalischen okzitanischen Schaffens von der Gegenwart bis zurück in das 11. Jahrhundert zum ersten liturgischen Gesang in dieser Sprache für die Nachtmette. Marcel Pérès vom Ensemble Organum kündigt ein „Fest der Sprache, ein Fest der Volksfeste als Kontrapunkt zu religiösen Riten, ein Fest eines unerschöpflichen Schaffens jenseits linearer Zeitverläufe“ an - eines Schaffens, das „hervorgebracht wurde von der poetischen Alchemie einer Sprache, die selbst Musik, Tanz und Gesang ist“. 

 

20:30

Stimmung Ensemble SoloVoices

In der Nacht an einem Lagerfeuer sitzend – so wünschte sich Karlheinz Stockhausen im Idealfall die Aufführung von „Stimmung“. Zumindest wie um ein imaginiertes Lagerfeuer werden die sechs SängerInnen von SoloVoices im Klangraum Krems Minoritenkirche in der vom Komponisten gewünschten Meditationshaltung sitzen. Rund um diesen inneren Kreis wird sich in einem äußeren Kreis das Publikum befinden. Die Obertonkreise des tiefen Grundtones „b“ werden sich in Ringen auffächern, wie es geschieht, wenn ein ins Wasser geworfener Stein an der Oberfläche Kreise hinterlässt. 

Komponiert – oder besser: empfangen – hat Stockhausen „Stimmung“ vor genau einem halben Jahrhundert bei Schneewetter in Long Island in den USA. Das Meer war gefroren, der Wind wehte beißend kalt, doch Stockhausens Herz und Sinn waren erwärmt von der Stimmung der Flowerpower-Bewegung, die 1968 gerade ihren Höhepunkt erreicht hatte. Die SängerInnen singen wie in einem Mantra den immer selben Akkord in die Mikrophone, die verschiedenen gesungenen Vokale aktivieren die sechs Obertöne. Stockhausen löst die musikalischen Vorgänge durch 51 „Momente“ aus, die von den SängerInnen zu einem magischen Ganzen geformt werden. 

Der Traum, Unerreichbares zu erreichen oder sich ihm zumindest anzunähern, erfüllt das Bewusstsein der SängerInnen und mit der Zeit auch der ZuhörerInnen. Es ist ein Prozess des immerwährenden Suchens und Strebens nach dem Unerreichbaren und des Immer-weiter-Singens und Immer-weiter-Hörens. Der permanente Versuch von Grenzüberschreitung. Mit musikalisch-technischen Mitteln und Motiven werden spirituelle Räume aufgesucht. Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren schwingt in dem einen Akkord fortwährend mit und erhält durch eingestreute Götternamen und durch fragmentarische, oft erotisch inspirierte Lyrik aus der Feder des Komponisten auch noch zusätzliche Nahrung. 

„Stimmung“ wird zum Ausdruck der Utopie einer neuen Form musikalischer Inter-Aktion und menschlicher Kommunikation. 

 

 

Ensemble Organum

Ensemble Organum

SoloVoices

SoloVoices