Samstag
25. März 2017

Klangraum Krems Minoritenkirche

18:00 Lesung und Podiumsdiskussion
Die letzte Satire
Revolutionen und Umstürze

19:30 Konzert
Nicolas Altstaedt
(Violoncello)
Alexander Lonquich
(Klavier)


Werke von
Dmitri Schostakowitsch
Mieczław Weinberg 
Benjamin Britten

ANDREJ JURJEWITSCH KURKOW
(Autor, Ukraine)

WOLFGANG KOS
(Journalist und Historiker, Österreich)
Der ukrainische Bestsellerautor Andrej Jurjewitsch Kurkow begibt sich in seinem neu erschienenen Buch „Die Welt des Herrn Bickford“ auf eine skurril-melancholische Reise mit einer Satire aus den letzten Tagen der Sowjetunion und gibt Einblicke in die sowjetische Mentalität. Im Anschluss folgt ein Podiumsgespräch über Musik und Revolution mit dem Historiker und Journalisten Wolfgang Kos.

 

KAT I: 30,- / 27,-
KAT II: 26,- / 24,-

 

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Nicolas Altstaedt & Alexander Lonquich Revolution aus dem Innersten

Als Dmitri Schostakowitsch mit seiner Cellosonate und dem Cellisten Viktor Kubatskij auf einer Konzerttournee durch Russland unterwegs war, entdeckten sie einen vernichtenden Artikel in der russischen Tageszeitung „Prawda“ über die Schostakowitsch-Oper „Lady Macbeth von Mzensk“. Offenbar auf Geheiß des Generalsekretärs Stalin wurde die Oper als „Chaos statt Musik“ gebrandmarkt. Für Schostakowitsch begannen Jahre der Verfolgung und Maßregelung. Während der berüchtigten „Säuberungswellen“ Stalins musste er um sein Leben zittern. Der langsame Satz der Cellosonate nimmt in seinem Leid schon den Abgesang der Titelheldin in „Lady Macbeth von Mzensk“ vorweg. Es ist eine Revolution der Innerlichkeit, eine Auflehnung der Gefühle der Menschen, die Schostakowitsch hörbar macht.

Ganz entgegen den Absichten des Regimes für eine volksnahe Kunst entwickelte er seinen Stil auf der Basis westlicher Moderne wie der Musik Alban Bergs, dessen harmonisch aufgeladene Klaviersonate Op. 1 den Prolog mit dem Pianisten Alexander Lonquich zu einem Konzert bildet, in dem der Cellist Nicolas Altstaedt die Schostakowitsch-Sonate in Beziehung zu ihr verwandter Musik setzt. Benjamin Britten und Schostakowitsch begegneten und bewunderten einander. Seine Cellosonate komponierte Britten für den Russen Mstislaw Rostropowitsch, mit dem er und Schostakowitsch befreundet waren. Dessen Vorliebe für die Passacaglia als Schauplatz tiefgründiger musikalischer Prozesse kommt auch in Brittens Sonate zur Geltung. Mieczysław Weinbergs kompositorisches Schaffen ist eine Chronik der schlimmsten Zeit des 20. Jahrhunderts. „Die Befassung mit dem Thema Krieg ist mir von meinem Schicksal und vom tragischen Schicksal meiner Familie auferlegt worden.“ Der aus Polen vor den deutschen Besatzern nach Moskau geflüchtete Jude wurde dann dort wegen einer angeblichen jüdischen Verschwörung inhaftiert. In Schostakowitsch fand er einen mutigen Fürsprecher für seine Musik und seine Freilassung. Weinberg hat bei alldem, was er erleben musste, keine Note aus Wut komponiert. Er ging ernst und einfühlsam mit dem Erbe der Erinnerung um.


18:00 Lesung & Podiumsgespräch in Kooperation mit ELit Literaturhaus Europa:
Die letzte Satire. Revolutionen und Umstürze
Der ukrainische Autor Andrej Jurjewitsch Kurkow im Gespräch mit dem österreichischen Journalisten und Historiker Wolfgang Kos.

Homepage:
Nicolas Altstaedt
Alexander Lonquich

© Marco Borggreve

© Marco Borggreve

© Francesco Fratto

© Francesco Fratto