Freitag, 03. April

Klangraum Krems Minoritenkirche
19:00


   Ensemble Recherche: Martin Fahlenbock (Flöten); Klaus Steffes-Holländer (Klavier, Celesta); Christian Dierstein (Schlagzeug) 
   
   
 „For Philip Guston“ / für Flöten, Stabspiel, Tasten / von Morton Feldman. 
 Philip Guston stellt / in seinen späten Bildern / keine Fragen mehr. 
 Morton Feldman hört / in „For Philip Guston“ auch / mit dem Fragen auf. 
 Musiker John Cage / stellte Musiker Feldman / Maler Guston vor. 
 Feldman, Guston, Cage / wurden unzertrennliche / Freunde, Kunst suchend. 
 Am Anfang ihrer / Freundschaft hörten sie Meister / Suzuki mit Zen. 
 Die Drei begaben / sich auf die Suche nach dem / Fast-Nichts in der Kunst. 
 Sie sprachen über / eine imaginäre / Kunst des Wenigen. 
 Sagten über sich: / Cage ist taub, Guston ist blind / und Feldman ist stumm. 
 Spirituelle / Orte waren Konzerte / und Vernissagen. 
  Das Nichts wurde zum / Programm der drei auf ihrem / Weg zur letzten Kunst. 
 Der Künstler soll bei / viel weniger ankommen, / womit er anfing. 
 Überflüssig der / Ballast der Geschichte und / des Persönlichen. 
 „For Philip Guston“ / beginnt mit C-G-A(s)-E(s), / einem Anagramm. 
 Auf C-A-G-E / folgt in dem Stück viel später / noch B-A-C-H. 
 Dazwischen liegen / Phasen der Auflösung des / Viertöne-Motivs. 
 Bis davon nur mehr / einfache Intervalle / übrig sind als Klang. 
 Bis nur mehr Takte / folgen, in denen Klang als / Wiederholung bleibt.  
 Danach folgen von / dem C-A-G-E-Motiv / Permutationen. 
 Die Instrumente / imitieren frei Töne, / der Rhythmus bleibt gleich.  
 Feldman erzählt in / „For Philip Guston“ zwei Mal / sein ganzes Leben. 
 In Hälfte zwei lebt / er sein Leben noch einmal, / wie er es gelebt. 
 Feldman, groß, robust, / und Guston, ähnlich kräftig, / liebten zu leben. 
 Nach zwanzig Jahren / zeigte Guston auf einmal / gänzlich neue Kunst. 
 Auf Gustons Frage, / wie ihm das Bild gefalle, / sagte Feldman nichts. 
 Fortan hatten sich / die beiden gar nichts mehr zu / sagen. Sie schwiegen. 
 Dennoch malt Guston / ein Porträt Feldmans. Dessen / Kopf ist abgewandt. 
 Dennoch war es der / letzte Wunsch Gustons: Morton / spricht das Kaddish. 
 Nach dem Tod Gustons / begriff Feldman die späten / Bilder des Freundes. 
 Er vertonte das / Begreifen ohne Fragen: / „For Philip Guston“. 
 Auch die Frage der / Stilistik kümmerte / Feldman nun nicht mehr. 
 Egal ob abstrakt, / expressionistisch oder / sonst jedweder Stil. 
 Das, was wir sehen, / geht nicht aus dem hervor, was / sichtbar ist. Guston. 
 Das, was wir hören, / geht nicht aus dem hervor, was / hörbar ist. Feldman. 
 „For Philip Guston“: / Die konstruierte Zeit weicht / der realen Zeit. 
 Musik, vertikal / gesetzt, kontinuierlich, / doch nie polyphon. 
 Viereinhalb Stunden / Musik, aufgelöst in fast / Nichts an Rhythmus, Form. 
 Feldmans Reduktion: / Weniger Material, / längere Dauer. 
 Aus dieser Form von / Askese entsteht eine / stille Ekstase. 
        weitere Informationen als PDF >>>    
, Copyright: Philip Guston

Philip Guston, © Philip Guston

Morton Feldman "For Philip Guston"

Ensemble Recherche



Ensemble Recherche:
Martin Fahlenbock (Flöten); Klaus Steffes-Holländer (Klavier, Celesta); Christian Dierstein (Schlagzeug)

 

 

„For Philip Guston“ / für Flöten, Stabspiel, Tasten / von Morton Feldman.
Philip Guston stellt / in seinen späten Bildern / keine Fragen mehr.
Morton Feldman hört / in „For Philip Guston“ auch / mit dem Fragen auf.
Musiker John Cage / stellte Musiker Feldman / Maler Guston vor.
Feldman, Guston, Cage / wurden unzertrennliche / Freunde, Kunst suchend.
Am Anfang ihrer / Freundschaft hörten sie Meister / Suzuki mit Zen.
Die Drei begaben / sich auf die Suche nach dem / Fast-Nichts in der Kunst.
Sie sprachen über / eine imaginäre / Kunst des Wenigen.
Sagten über sich: / Cage ist taub, Guston ist blind / und Feldman ist stumm.
Spirituelle / Orte waren Konzerte / und Vernissagen.
 Das Nichts wurde zum / Programm der drei auf ihrem / Weg zur letzten Kunst.
Der Künstler soll bei / viel weniger ankommen, / womit er anfing.
Überflüssig der / Ballast der Geschichte und / des Persönlichen.
„For Philip Guston“ / beginnt mit C-G-A(s)-E(s), / einem Anagramm.
Auf C-A-G-E / folgt in dem Stück viel später / noch B-A-C-H.
Dazwischen liegen / Phasen der Auflösung des / Viertöne-Motivs.
Bis davon nur mehr / einfache Intervalle / übrig sind als Klang.
Bis nur mehr Takte / folgen, in denen Klang als / Wiederholung bleibt. 
Danach folgen von / dem C-A-G-E-Motiv / Permutationen.
Die Instrumente / imitieren frei Töne, / der Rhythmus bleibt gleich. 
Feldman erzählt in / „For Philip Guston“ zwei Mal / sein ganzes Leben.
In Hälfte zwei lebt / er sein Leben noch einmal, / wie er es gelebt.
Feldman, groß, robust, / und Guston, ähnlich kräftig, / liebten zu leben.
Nach zwanzig Jahren / zeigte Guston auf einmal / gänzlich neue Kunst.
Auf Gustons Frage, / wie ihm das Bild gefalle, / sagte Feldman nichts.
Fortan hatten sich / die beiden gar nichts mehr zu / sagen. Sie schwiegen.
Dennoch malt Guston / ein Porträt Feldmans. Dessen / Kopf ist abgewandt.
Dennoch war es der / letzte Wunsch Gustons: Morton / spricht das Kaddish.
Nach dem Tod Gustons / begriff Feldman die späten / Bilder des Freundes.
Er vertonte das / Begreifen ohne Fragen: / „For Philip Guston“.
Auch die Frage der / Stilistik kümmerte / Feldman nun nicht mehr.
Egal ob abstrakt, / expressionistisch oder / sonst jedweder Stil.
Das, was wir sehen, / geht nicht aus dem hervor, was / sichtbar ist. Guston.
Das, was wir hören, / geht nicht aus dem hervor, was / hörbar ist. Feldman.
„For Philip Guston“: / Die konstruierte Zeit weicht / der realen Zeit.
Musik, vertikal / gesetzt, kontinuierlich, / doch nie polyphon.
Viereinhalb Stunden / Musik, aufgelöst in fast / Nichts an Rhythmus, Form.
Feldmans Reduktion: / Weniger Material, / längere Dauer.
Aus dieser Form von / Askese entsteht eine / stille Ekstase.


  

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