Montag, 28. März
Klangraum Krems Minoritenkirche
19:30
La Tarantella, © La Tarantella
ENSEMBLE L’ARPEGGIATA
Musikalische Leitung: Christina Pluhar
Lucilla Galeazzi: Gesang
Massimo Carrano: Gesang, Perkussion
Christina Pluhar: Theorbe, Barockgitarre
Elisabeth Seitz: Psalterion
Marcello Vitale: chitarra battente, Barockgitarre
Eero Palviainen: Laute, Barockgitarre
Veronika Skuplik: Geige
Doron Sherwin: Zink
Richard Myron: Violone
David Mayoral: Percussionen
Anna Dego: teatrodanza
Sie ruft archaische Ängste hervor und setzt zugleich ungeahnte Urkräfte frei, wie sie wohl nur in den
mythologischen Regionen Süditaliens entstehen konnten: eine schwarzbraune, haarige Spinne, benannt nach dem Ort Taranto in Apulien. „Man sagt“, wusste Antoine Furetière 1690 in seinem Dictionaire universel, „das Gift der Tarantel ändere seine Beschaffenheit von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde und wirke sich auf die Leidenschaften der Gebissenen aus.“ Ambivalent wie die Auswirkungen des Tarantelbisses – von befreiendem Lachen bis zur wilden Raserei – waren seit jeher auch die mythologischen Deutungen über die Herkunft der Tarantella.
In alten Dichtungen des Homer betören die Sirenen Ulisse mit einem erotischen Tanz, und eine „Eneide“ in neapolitanischem Dialekt zeigt Orfeo, wie er im Rahmen einer sakralen Kulthandlung eine hypnotische, heilende Tarantella anschlägt. Die österreichische Lautenistin und Harfenistin Christina Pluhar weiß um die musikalische Vielschichtigkeit der Tarantella, hat deren historische Traditionen und ihre Überlieferungen im neapolitanischen Volksmusikgut akribisch zusammengetragen und mit ihrem internationalen Spezialistenensemble „l’Arpeggiata“ ein Programm einstudiert, das den weiten Ambitus des rituellen Tanzes mit der Offenheit der mittelalterlichen Perspektive aufgreift … und damit an jene Traditionen rührt, in denen auch die christlichen Feste noch aus der befreienden Ambivalenz weiter Gefühlshorizonte schöpfen durften; in den Eselsmessen mit ihren deftigen und erotischen Anspielungen auf die Messrituale oder mit dem „Osterlachen“, das der Freude des Osterfestes eine körperliche Dimension verlieh.
„La Tarantella“ huldigt den sakralen, magischen und folklorischen Dimensionen des rituellen Tanzes mit einem Fest der Sinne, das mit dem klangprächtigen Instrumentarium von „l’Arpeggiata“ und der fuliminanten Stimme von Lucilla Galeazzi besinnliche Momente und Ekstase evoziert.