Samstag, 10. April
Klangraum Krems Minoritenkirche
12:00
Morton Feldman, © Morton Feldman
CAPELLA CON DUREZZA
(konzeption: renald deppe)
Wer hier verweilt findet
mauern, ein
dach, zum
klang das bild und
muß nicht beten
Renald Deppe
12.00.uhr - 16.00.uhr: TRICINIUM I
buckner/deppe/ptak (dedicated to Ad Reinhardt)
16.00uhr: Patterns in a Chromatic Field (1981)
Morton Feldman for cello and piano
17.30.uhr - 20.30.uhr: TRICINIUM II
bruckner/deppe/ptak (dedicated to Jackson Pollok)
20.30.uhr: Piano and String Quartett (1985)
Morton Feldman
PARERGON :
Vom Gedächtnis der Klänge
oder
Die Abwandlung des Gleichen
Die "heiligen drei Tage" (Triduum sacrum) innerhalb des christlichen Osterfestkreises begannen (vom 4. Jahrhundert an) mit dem Donnerstagabend der Karwoche. Der Osternachtgottesdienst eröffnete den letzten Tag dieses Triduums, innerhalb dessen die Christusgeschichte historisch nachvollzogen wurde : der Feitag war der Tag, an dem Jesus gelitten hat und gestorben ist, der Samstag (Sabbato Sancto) galt als Tag der Grabesruhe und kontemplativen Stille, der Sonntag als Tag seiner Auferstehung. Leiden, Tod und Auferstehung wurden in vielgestaltigen Fest- und Gedenkhandlungen innerhalb der divergenten christlichen Glaubensgemeinschaften unterschiedlich gefeiert. Brauchtum und gottesdienstliche Traditionen zeitigten eine reiche Fülle an liturgie- und spiritualitätsgeschichtlichen Handlungen, welche bis heute unsere moderne Lebenszeit sinngebend beeinflußen als auch zeitlich strukturieren.
Das Antiphonarium am "Sabbato Sancto" in der ehemaligen Kirche der Minoriten, welche nun vorwiegend der Musik und Medienkunst unserer Gegenwart eine Heimstatt gewährt, konfiguriert wichtige Spätwerke aus dem kammermusikalischen Schaffen des amerikanischen Komponisten Morton Feldman (1926 - 1987) mit unterschiedlichen Improvisationskonzeptionen (Tricinium I/II), welche sich auf zwei malende und vom Tonsetzer sehr geschätzten Künstlerfreunde seiner Zeit beziehen. Auratische Klangtabulaturen von expressiver Transparenz sensibilisieren das Raum- und Zeitverständnis einer rasant hasardierenden Gegenwartskultur, kontrapunktieren subtil die fein verwobenen Texturen eines wohlgeordneten Anarchisten. Der musikalische Querdenker Morton Feldman hört mit den Augen. Und erzählt dabei Wesentliches mit seiner luziden Kalligraphie der Stille.
So wie das Triduum sacrum den Menschen auf die Notwendigkeit eines verantworteten Daseins verweist, so bedingt die existenzielle Welt- und Selbsterfahrung der Musik Feldmans eine grundsätzliche Neugewichtung wahrhaft selbstbestimmter Wertvorstellungen:
"...mit anderen Worten, lieben wir die Musik oder lieben wir die Systeme, die Rituale, die Symbole - die weltlichen, besitzergreifenden Verrenkungen, die wir an ihre Stelle setzen ?... "
(M. F.)