Samstag
26. September 2009

Klangraum Krems Minoritenkirche

Lappetites Fathers

Kaffe Matthews, Ryoko Akama, Antye Greie aka AGF, Blanca Regina Perez-Bustamante

Vier Frauen an vorderster Front Neuer Elektronischer Musik präsentieren den jüngsten Stand ihres work in progress und autobiografischen Forschungsvorhabens: die Oper „Fathers“. Mit Mikro-Samples, verwoben mit Stimmfetzen von Opernsängern, mit Melodiefragmenten, Cut-Up-Störgeräuschen oder Kinderliedern zeichnen sie am Computer in klangmalerischen Collagen die Porträts ihrer Väter. Das Werk basiert auf einer dreijährigen Recherche der Musikerinnen zum Leben ihrer Väter: ein ehemals ranghoher Offizier der Nationalen Volksarmee der DDR, ein koreanischer Geschäftsmann, der nach Japan emigrierte, und ein englischer Bauer, der bis heute noch in der Landwirtschaft tätig ist.

Die zum Teil aus nebeneinander ablaufenden filmischen Bildern montierte Annäherung besteht aus topografischen Suchbewegungen und Aufnahmen aus dem Lebensumfeld der porträtierten Männer. In der assoziativen Anordnung der Bilder ergibt sich eine visuelle Grammatik aus geografischen und historischen Räumen sowie auch aus Formen des persönlichen Dialogs in der Nahaufnahme.

Live werden über mehrere Kanäle atmosphärische Klangräume moduliert. Die in Zwischenwelten angesiedelte Hommage reflektiert nicht allein Beziehungsmuster zu den Vätern, sondern erzählt auch von der knisternden Liebe zum Geräusch. Es surren die Maschinen. Kleinteiliges Geklapper aus dem Inneren der digitalen Speicher verselbständigt sich. Das Reiben körniger Ablagerungen wird hörbar. Geräusche aus der alten industriellen Welt. Glöckchen, metallisches Getrommel. Entstanden ist das Projekt als Online-Kooperation um die Britin Kaffe Matthews. Ursprünglich experimentelle Violinistin, ist sie heute äußerst aktiv als Komponistin, Improvisationsmusikerin und Vernetzerin der New Electronics; sie arbeitet weltweit mit MusikerInnen wie Otomo Yoshihide, Zeena Parkins, Christian Fennesz, Charles Hayward, Jon Rose, Pan Sonic oder Butch Morris.

Lappetites wurden 2001 im Zuge eines Konzerts in New York als offene Plattform für Musikerinnen ins Leben gerufen. In der aktuellen Besetzung sind die Lappetites nicht nur als transkontinentales, sondern – in Zusammenarbeit mit der 1932 geborenen französischen Elektronik- Komponistin Eliane Radigue – auch als generationenübergreifendes Netzwerk angelegt.

Sitzkonzert

>>>Trailer

© Lappetites

© Lappetites

Lappetites