Samstag
30. September 2006

Klangraum Krems Minoritenkirche

Juha Anssi Tikanmäki Filmorchester



Regie: Aki Kaurismäki
FIN/D 1999, s/w, 78min, Stummfilm

ANSSI TIKANMÄKI FILMORCHESTER (LIVEMUSIK)

Aki Kaurismäkis 1999 uraufgeführter Film „Juha“ stieß bei KritikerInnen auf geteilte Aufnahme: Die einen stellten lobend Kaurismäkis Reduktion auf das Wesentliche in den Vordergrund, die anderen bekrittelten fehlende Originalität des Werks. Tatsache ist, Kaurismäki drehte einen schwarz-weißen Stummfilm 70 Jahre, nachdem dieser vom Tonfilm abgelöst worden war. Der Plot beruht auf dem bereits mehrmals verfilmten Roman „Juha“ von Juhani Aho aus dem Jahr 1911 und beinhaltet eine eher banale Verführungsgeschichte. „Juha“ aber ausschließlich als Reminiszenz an die Stummfilmära zu sehen, greift allerdings zu kurz. Kaurismäki siedelt die Handlung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an und arbeitet augenzwinkernd mit unzähligen Filmzitaten und Symbolen. Und der mehrfache Verzicht – auf Ton, Farbe und originelle Handlung – verweist den Betrachter auf die Bilder an sich. Die Beschränkung auf das Eigentliche des Mediums führt Kaurismäki aber nicht wie die historischen Stummfilmregisseure ins Monumentale, übertrieben Melodramatische oder exaltiert Emotionale. Um den Zuschauern trotz der Schlichtheit der Bilder die Emotionen der Charaktere zugänglich zu machen, setzt Kaurismäki auf die Musik. Er selbst hat „Juha“ als „Stummfilm mit Musik“ beschrieben. Als Komponisten gewann er Anssi Tikanmäki, der zu Kaurismäkis Bildern ein furioses Potpourri aus Rock, Humpa, finnischen Tangos, Chansons und orchestralen Elementen komponierte. Diese explosive Musik, die Tikanmäki gemeinsam mit seinem Filmorchester live zum Film aufführt, ersetzt nicht nur den Dialog und steht gleichberechtigt neben Kaurismäkis Bildsprache, sondern unterstreicht dessen Intention: „das Sehen des Bekannten auf fremde Weise“.

www.anssitikanmaki.com

© Marja-Leena Hulzkauen

© Marja-Leena Hulzkauen