Freitag
07. Oktober 2005

Klangraum Krems Minoritenkirche

Studio Percussion graz Wolfgang Rihm: Tutuguri IV



für 6 Schlagzeuger

„… die freien und wilden Anrufungen … bekommen das pure Dröhnen zur Antwort: den Schlag als Beginn von Musik und ihr Ende …" (Wolfgang Rihm)

Tutuguri ist der Name eines tanzenden Priesters der alten mexikanischen Kulturgeschichte. Der Schriftsteller Antonin Artaud, Schöpfer des „Theaters der Grausamkeit", hat kurz vor seinem Tod 1948 ein episches Gedicht „Tutuguri" verfasst, das er im Untertitel als „Ritus der schwarzen Sonne" bezeichnet. Dieses seltsam dunkle,  schwer verständliche Gedicht beschreibt vage eine blutige Kulthandlung. Die „Vorstellung eines dunklen und grellen Kultes" faszinierte Rihm, der in der Wiederentdeckung der mythischen Dimension des Ritus eine Möglichkeit sah, im „Wunsch nach totaler Freiheit" das „Triebleben der Klänge" sich entfalten zu lassen und die derart befreite Musik „keiner Gesetzmäßigkeit außer der Eigengesetzlichkeit" mehr folgen zu lassen. Artauds Gedankenwelt ist dieser musikalischen Vision insofern nahe, als sie keinen Zusammenhang mehr darstellt, sondern im Gegenteil eine „Sprengung". Daher muss eine „Tutuguri-Musik" für Rihm „im Rohzustand, als sie selbst, nackt, als Zustand von Musik auf uns kommen. Sie muss Ruf werden."


© Studio Percussion

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