25/03/2017 - 17/04/2017

Eröffnung:
Freitag 24. März 2017 18:00

BLACK METAL SQUARE # 1-3 Jacob Kirkegaard

ÖFFNUNGSZEITEN: DI - SO (oder an Feiertagen) von 11:00 - 17:00
An Festivaltagen jeweils bis zum Ende des Konzertabends im Klangraum Krems Minoritenkirche geöffnet.
EINTRITT FREI!

Die Installation Black Metal Square #1-3 von Jacob Kirkegaard besteht aus drei im Raum frei schwebenden unterschiedlich großen schwarzen Metallplatten.

Die visuelle Komponente der Arbeit stellt dabei auf reflexive Weise einen kunsthistorischen Bezug zum Gemälde „Schwarzes Quadrat“ von Kazimir Malewitsch her, das einst einen Skandal in der Kunstwelt auslöste und inzwischen längst zur Ikone der Malerei des 20. Jahrhunderts geworden ist. Malewitsch prägte damit (1915, kurz vor der Russischen Revolution) den Begriff des „Suprematismus“. Im zweiten Teil seiner Bauhausschrift „Die Gegenstandslose Welt“ (1927) schrieb er:

Als ich in meinem verzweifelten Bestreben die Kunst vom Ballast des Gegenständlichen zu befreien, zu der Form des Quadrats flüchtete und ein Bild ausstellte, das nichts anderes als ein schwarzes Quadrat auf weißem Feld darstellte, seufzten die Kritiker und mit ihnen die Gesellschaft: „Alles was wir geliebt haben ist verloren gegangen: Wir sind in einer Wüste...“

Es ging Malewitsch aber nicht um die Verweigerung der Darstellung des Figurativen. Vielmehr versucht er die Grundlagen für eine neue Form der Kunst zu legen, die weder materialistisch noch realistisch ist. Das schwarze Quadrat sollte ein Universum darstellen, in dem die materielle und spirituelle Komponente zusammenfließen.

Es war dies kein leeres Quadrat was ich ausgestellt hatte, sondern die Empfindung der Gegenstandslosigkeit... denn mit und in der Null beginnt die wirkliche Bewegung des Seins.

Schon im 16. Jahrhundert beschreibt der englische Alchemist Robert Fludd (1574-1637) in seinem Bilderzyklus „Geburt des Bewusstseins aus dem Schwarzen“ das Schwarze Quadrat als Symbol des Anfangs der Schöpfung.
Er prägt den Begriff des Nigredo: ein abstrakter Raum, ein mathematischer Urgrund, der an den von Gott geschaffenen, verlassenen Raum erinnern soll – wie ein Tor oder Durchgang zur Leere, das Ur-Universum vor der Schöpfung.

Zu Beginn, im Zustand des Nigredo, herrscht das schwarze Viereck. An seinen vier Ecken steht „et sic in infinitum“ (und so bis in alle Ewigkeit) geschrieben.

Jacob Kirkegaard erweiterte das Schwarze Quadrat um die Dimension des Klanglichen. Die natürliche Schwingung der Platten werden elektrisch verstärkt und rückgekoppelt – also in sie zurückgeführt, um die natürliche Eigenresonanz der Metall-Platten hörbar zu machen.

Kirkegaard stellt dazu die Frage:

Was wäre es, das wir hören könnten, würden wir uns leibhaftig in ein solch metaphysisches Schwarz begeben?

 

JACOB KIRKEGAARD

geb. 1975, ist ein dänischer Künstler und Komponist. Er lebt zurzeit in Berlin.

Seine Werke werden in Galerien, Museen und Konzerträumen auf der ganzen Welt gezeigt, u.a. im MoMA in New York, LOUISIANA in Dänemark, KW in Berlin, The Menil Collection & the Rothko Chapel in Houston, Aichi Triennale in Nagoya, Mori Art Museum in Tokyo, Japan. 2015 war ihm eine Einzelausstellung im Museum of Contemporary Art in Dänemark gewidmet. Er hält Vorlesungen an der königlichen Architekturakademie und der Kunstakademie in Kopenhagen.

In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Field-Recordings (Feldaufnahmen) zur Erforschung potentieller Musikalität in den versteckten Schichten der Erde: die Arbeiten reichen von Aufnahmen in unterirdischen Gletschern, aufgelassenen, radioaktiven Räumen in Tschernobyl, im arktischen Eis, oder den Eisgletschern Grönlands bis zur Beschäftigung mit Klängen, die vom Ohr selbst erzeugt werden.

Kirkegaards Werkzeuge sind Beschleunigungsmesser, Hydrophone und selbstgebaute elektromagnetische Empfänger oder auch simpel Mikrophone und Aufnahmegeräte. Seine Werke machen erfahrbar, dass Klänge allgegenwärtig, und überall enthalten sind. In seiner Kombination von wissenschaftlichen Untersuchungen und künstlerischen Inszenierungen zeigt er auch auf, welchen untergeordneten Stellenwert Klänge in unserer modernen, vorrangig visualisierten Welt haben. Kirkegaards Arbeit ist also ein Horchen hinter das Unmittelbare, hinter das Offensichtliche. Sie bietet eine Möglichkeit, unsere Vorstellung von dem, was wir sind, zu erweitern, und die Welt, in der wir leben, besser zu erfahren.

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