Samstag
10. März 2018

Klangraum Krems Minoritenkirche

18:00

Lesung & Podiumsgespräch

Rüdiger Safranski
(Literaturwissenschaftler und Auto)

Wolfgang Kos
(Journalist und Historiker)

In Kooperation mit ELit Literaturhaus Europa

 

19:30

Minetti Quartett

Maria Ehmer (1. Violine)
Anna Knopp (2. Violine)
Milan Milojicic (Viola)
Leonhard Roczek (Violoncello)

 

30,- / 27,-

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Rüdiger Safranski & Minetti Quartett Nocturne

Die Entdeckung Der Träume

 

Lesung und Podiumsgespräch Rüdiger Safranski | Wolfgang Kos

Wie im Traum spricht der Tod mit milden Worten zum angstvollen Mädchen.

In seinem Dialoggedicht folgte der Dichter Matthias Claudius einer im Zuge der Aufklärung entstandenen und an die Antike anknüpfenden Haltung vom „tröstlichen“ Tod, dem „Freund Hein“. Franz Schubert vertonte das Gedicht in einer typischen Opernform, der ebenso aus der Antike aufgegriffenen Orakelszene. Nach dem einleitenden Todesthema kommt die Angst des Mädchens in einem dramatischen Rezitativ zum Ausdruck, der Tod antwortet psalmodierend im Rhythmus des Totentanzes Pavane. Die Liedtanzmelodie machte Schubert im langsamen Satz seines d-Moll-Streichquartettes zur Grundlage von Variationen. Die tröstlichen Liedworte des Todes zum Mädchen werden von den Streichern in schwebende Lieder ohne Worte verwandelt. Eine überirdische Musik, die dem Mädchen seine neue Lebenswelt zu entdecken scheint.

 

Nocturne Minetti Quartett

In ein Nocturne verwandelte György Ligeti sein erstes Streichquartett.

Der Pulsschlag des Lebens geht in Flimmern über, der Rhythmus wird zur Farbe, das auf den Saiten gestrichene Bogenholz zum Klang. In gespenstischer Stimmung taucht schemenhaft ein Choral auf. „Métamorphoses nocturnes“ wurde noch in der kommunistischen Diktatur Ungarns komponiert, aber erst nach Ligetis Emigration im Westen aufgeführt. Zwei Jahrhunderte vor Ligeti hat Joseph Haydn gleichfalls auf pannonischem Boden, in Eszterháza, die Form des Streichquartetts entwickelt.

Das Minetti Quartett leitet das Ligeti-Nocturne mit einem Haydn-Traum ein. „Haydn komponiert Musik so, wie ein Dichter eine Rede schreibt“, sagte Leonhard Roczek, der Cellist vom Minetti Quartett, in einem Zeitungsinterview. „Haydns Musik besitzt eine eigene Grammatik, eine Syntax und rhetorische Stilfiguren. Wir können nie erahnen, wohin sich die Geschichte entwickelt, wo sie enden wird. Eine unerwartete Wendung, ein plötzliches Innehalten, ein überraschender Aufschrei, eine träumerische Rückschau...“ Wegen seines ins Unwirkliche entrückten Adagios bekam das Quartett op. 50 Nr. 5 in der Romantik den Beinamen „Traumquartett“.

Minetti Quartett

Minetti Quartett

Rüdiger Safranski

Rüdiger Safranski