Donnerstag
13. April 2017

Klangraum Krems Minoritenkirche

Beginn: 19:00

„Aus Der Tiefe, Herr, Ruf Ich Zu Dir“
Rainer Lepuschitz
(Einführung)

Alexander Nitzberg
(Sprecher)
Anna Clare Hauf
(Gesang)
Lisa Smirnova
(Klavier)
Annelie Gahl
(Violine)
Franz Winkler
(Tuba)
Helene Kenyeri
(Oboe)
Damaris Richerts
(Trompete)
Björn Wilker
(Schlagwerk)
Sabine Maier
(Lichtgestaltung)

Werke Von
Galina Iwanowna Ustwolskaja
Johann Sebastian Bach

Texte Von
Anna Andrejewna Achmatowa
Daniil Charms
Maximilian Alexandrowitsch Woloschin
Wladimir Wladimirowitsch Majakowski

26,- / 24,-

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Alexander Nitzberg, Anna Hauf, Lisa Smirnova, Annelie Gahl, Franz Winkler, Helene Kenyeri, Damaris Richerts, Björn Wilker Einsame Stimme, klagende Prophetin

Werke von Galina Ustwolskaja und Johann Sebastian Bach
Texte von Anna Achmatowa, Daniil Charms u.a.

„Wie eine Stimme aus dem Grab“ soll die Violine in der fünften Symphonie der St. Petersburger Komponistin Galina Ustwolskaja klingen. Die menschliche Stimme betet in der Symphonie das „Vater unser“. Auch die Instrumente sind in Ustwolskajas Musik Betende. Aus der Tiefe rufen sie zum Herrn. 70 Jahre ihres 87-jährigen Lebens hat Galina Ustwolskaja in der atheistischen Sowjetunion gelebt, zurückgezogen und isoliert von der staatlich diktierten Kunstöffentlichkeit. In ihren Kompositionen, in denen jeder Ton mehr Bedeutung hat als ganze Werkserien anderer Komponisten, verließ sie nie ihren Weg der „Wahrhaftigkeit“, die ihr schon ihr Lehrer Dmitri Schostakowitsch attestiert hat. Ihre „Stimme der Einsamkeit“ klingt durch diktatorische Systeme und kapitalistische Gesellschaften hindurch. Sie blieb immer ihrer eigenen künstlerischen Sprache treu. „Amen“ steht als Titel über der fünften Symphonie, die nun in der Minoritenkirche von einem Ensemble rund um die Geigerin Annelie Gahl ebenso aufgeführt wird wie die unerbittlich inständige vierte Symphonie „Gebet“ mit Altstimme nach lateinischen Texten des mittelalterlichen Benediktinermönchs Hermannus Contractus und das tragisch dramatische Duett für Violine und Klavier. „Meine Werke sind zwar nicht religiös im liturgischen Sinne, aber von religiösem Geist erfüllt, und sie würden am besten in einem Kirchenraum erklingen“, wird die 2006 verstorbene Komponistin von ihrem Verlag Sikorski zitiert.

Die ehernen Lamenti Ustwolskajas werden nicht nur in Beziehung zu singulärer Musik Bachs, sondern von dem deutsch-russischen Schriftsteller und Übersetzer Alexander Nitzberg zu russischer Lyrik von der vorrevolutionären bis zur Nach-Stalinistischen Zeit gesetzt. Anna Achmatowa wurde mit ihren dramatischen und elegischen Gedichten während Jahrzehnten der Unterdrückung, Verfolgung und Repression in der Sowjetunion zur klagenden Prophetin. Wie Ustwolskaja nur wenige Töne und Akkorde, brauchte Achmatowa nur wenige Worte und Sätze, um die – nicht nur russische – Tragödie des 20. Jahrhunderts auszudrücken. Als Künder eines kommenden Zeitalters, in dem der Geist alle Dinge von innen erneuert, verstanden sich auch der Symbolist Maximilian Woloschin und der Futurist Wladimir Majakowski. Während Daniil Charms, der letzte Avantgardist der russischen Moderne, in seinem Werk das Wunder zeigt, das in eine Welt der tristen Notwendigkeit und Verkrustung einbricht.

Homepage:
Annelie Gahl
Alexander Nitzberg
Anna Hauf
Lisa Smirnova
Damaris Richerts
Björn Wilker

© Georg Schlosser

© Georg Schlosser

© Larissa Raiskin

© Larissa Raiskin