Samstag
12. April 2014

Klangraum Krems Minoritenkirche

17:00 Film im Kino im Kesselhaus
Fata Morgana

19:30 Konzert
GRAINDELAVOIX
Soetkin Baptist (Gesang)
Carla Nahadi Babelegoto (Gesang)
Patrizia Hardt (Gesang)
Marius Peterson (Gesang)
Arnout Malfliet (Gesang)
Joachim Brackx (Gesang)
Floris De Rycker (Laute)
Liam Fennelly (Geige)
Jan Van Outryve (Guiterne)
Bjorn Schmelzer (Künstlerischer Leiter)

Werke aus den Musikhandschriften des Codex Montpellier (13. Jahrhundert)

In Kooperation mit Chorszene Niederösterreich

29,- / erm. 26,-

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Graindelavoix Paradise Lost

In den Garten der Lüste, aber auch der Verdammnis führt der Codex Montpellier, eine der kostbarsten Musikhandschriften des Mittelalters. Die vierstimmigen Motetten offenbaren eine mehrfache Deutung und Bedeutung von Paradies. Jede der vier Stimmen nimmt einen eigenständigen textlichen und musikalischen Verlauf. Der Tenor hält die Führungsmelodie im Stil des Psalmengesangs. Darüber führt eine Stimme in einen Paradiesgarten oder anderen idyllischen Ort. Frivole Anspielungen sind dabei nicht ausgeschlossen. Eine höfische Gegenstimme dazu erhebt sich in einer dritten Linie der Motette, während eine vierte Stimme eine himmlische Ode an die Jungfrau Maria singt. Die Motetten geben eine sehr komplexe moralische Deutung über den Paradiesgarten, pendelnd zwischen einem lustvollen, aber auch sündigen Ort und himmlischen Sphären. In dem polyphonen Gewebe kommt es zu einer Dekonstruktion des Paradieses im Diesseits und zu einer Verklärung im Jenseits.

Das verlorene Paradies behält aber im Gesang des belgischen Ensembles graindelavoix immer einen Hauch paradiesischer Schönheit bei. Die Sänger folgen ihrem Gespür dafür, was jenseits der bloßen Notenlinien im höheren Bewusstsein der Musik abläuft. An der Schnittstelle zwischen der die Sinne reinigenden Gregorianik und der die Sinne verwirrenden Polyphonie ereignen sich vokale Wunder aus Lamento, Ornamenten und Temperament. Das von Björn Schmelzer geleitete Kollektiv zieht Verbindungen zwischen dem, was musikalisch und textlich notiert ist, und dem, was sich dem wortwörtlichen Text und der musikalischen Notation entzieht.

Begleitprogramm:
17:00 Film im Kino im Kesselhaus
FATA MORGANA
>> D 1971 >>REGIE: WERNER HERZOG
Werner Herzog verbindet Texte aus einem guatemaltekischen Schöpfungsmythos mit Aufnahmen aus der afrikanischen Wüste und halluzinatorischen Bildern zu einer meditativen Collage über Werden und Vergehen.
(Kinotickets um EUR 7,- bzw. EUR 5,- ermäßigt mit gültigem IMAGO DEI-Ticket)

Graindelavoix © koen broosklein

Graindelavoix © koen broosklein

Graindelavoix: O Dame Que Deus Portais