Freitag
06. April 2012

Klangraum Krems Minoritenkirche

Ensemble Ludus Gravis Lux ex tenebris

„Zeit, sich vom Bernstein zu trennen. Zeit, die Dinge neu zu benennen:
Lass die Laterne nicht brennen über der Tür ...“ Marina Zwetajewa

John Cage | Dream (1948)
Arvo Pärt | Pari Intervallo (1976)
Stefano Scodanibbio | Movimento x (2011)
Sofia Gubaidulina | Sonata for double bass and piano (1975)
Galina Ustwolskaja | Dies Irae (1972/1973)

Ensemble Ludus Gravis: Daniele Roccato (Kontrabass Solo), Simone Masina, Andrea Passini, Francesco Platoni, Giacomo Piermatti, Paolo Di Gironimo
Stefano Battaglia, Alessandro Schillaci (Kontrabass); Laura Mancini (Perkussion); Fabrizio Ottaviucci (Klavier); Andrea Cappelleri (Leitung)



Sie würden am besten in einem Kirchenraum erklingen, wünschte sich die russische Komponistin Galina Ustwolskaja für ihre Werke. In der Minoritenkirche wird das italienische Kontrabassensemble Ludus Gravis Ustwolskajas „Komposition Nr. 2“ erklingen lassen, die den Titel „Dies irae“ trägt. Die zutiefst spirituelle Musik der Einzelgängerin, die bis zu ihrem Tod 2006 zurückgezogen in St. Petersburg lebte, trägt den Dualismus von der dunklen diesseitigen Welt und dem fernen, jenseitigen Lichtreich Gottes in sich. Acht Kontrabässe, Klavier und eine mit einem Hammer bespielte Holzkiste, die ein Symbol für die am Jüngsten Tag aufspringenden Holzsärge sein kann, ergeben im „Dies irae“ eine unerbittliche Klanglitanei, in der nur manchmal ein göttlicher Hoffnungsschimmer aufleuchtet. Nach dem Licht in der Dunkelheit suchen die Musiker von Ludus Gravis auf ihrem Programmweg. Denn ebenso die aus Tatarstan stammende Sofia Gubaidulina, für die Komponieren einen religiösen Akt darstellt, lässt in ihrer Sonate für Kontrabass und Klavier nur wenig Hoffnung aufkommen, in der irdischen Welt des Göttlichen teilhaftig werden zu können.

Und auch Stefan Scodanibbio, der wohl bedeutendste Kontrabassist unserer Zeit, der für sein Instrument eine Fülle neuer Spieltechniken entwickelte, betont in seiner Komposition „Movimento x“ für acht Kontrabässe und einen Dirigenten einen Kontrast von Diesseits und Jenseits: In seinem virtuosen Tanz mit den Instrumenten gelingt es jedoch während der Momente der Stille, dem spirituellen Mysterium auf die Spur zu kommen. Als Arvo Pärt in das große Reich der Harmonik aufbrach, gab er in der Komposition „Pari intervallo“ der Stimme des suchenden Menschen eine göttliche Stimme hinzu, die ihn auf den richtigen Pfad bringt. Der „Traum“ von einer harmonischen Atmosphäre wird in einem für fünf Kontrabässe umgeschriebenen Klavierstück von John Cage Wirklichkeit aus schönen Legatotönen.

Mit Ludus Gravis haben Stefano Scodanibbio und Daniele Roccato ein ungewöhnlich besetztes Ensemble gegründet, dessen archaische Schwingungen sich innerhalb kürzester Zeit als außergewöhnlicher Klang in der internationalen Konzertszene Gehör verschafften.

22.- / 20.-

© Promotionfoto

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