Freitag
23. März 2012

Klangraum Krems Minoritenkirche

Choeur de Saint Yaréd & Alèmu Aga Stimmen aus der Erde

Einführungsgespräch
Francis Falceto
(Herausgeber der „Ethiopiques CD Series“)

„Für den Chormeister. Ein Psalm Davids.
Herr, ich suche Zuflucht bei dir. ...
Sei mir ein schützender Fels.
Eine feste Burg, die mich rettet ...“
31. Psalm, 1–3

Choeur de Saint Yaréd: Gebremeskel Mulu, Daniel Seifemichael, Encobahry Tekeste, Samuel Ayehu, Senay Densa, Tilahun Eshetu
Alèmu Aga (Bèguèna)


In den Felsenkirchen von Lalibela in Äthiopien werden bis heute die liturgischen Gesänge der koptisch-orthodoxen Kirche aufgeführt, die auf den Heiligen Yaréd zurückgehen, einen Gelehrten und Musiker, der im sechsten Jahrhundert (501–576) in Aksum lebte und wirkte. Nach dem Fall des Königreichs Aksum im 12. Jahrhundert flüchteten die Könige aus der Dynastie Zagwe in ein Gebiet südöstlich von Aksum, wo die Stadt Lalibela (früher Roha) als „Neu-Jerusalem“ des nordafrikanischen christlichen Volkes entstand. Die Mitte des 13. Jahrhunderts als Monolithen in Felsen gehauenen Kirchen in Lalibela sind heute UNESCO-Welterbe. Die einzigartigen Bauten boten den koptischen Christen in Äthiopien, die vom sich ausbreitenden Islam eingekreist waren, Schutz. Heute bilden die äthiopischen Tewahedo-Orthodoxen mit fast 40 Millionen Gläubigen die größte christliche Kirchenfamilie des orientalischen Raums. Zu den Feiertagen pilgern die Gläubigen nach wie vor in oft tagelangen Fußmärschen zu den Heiligtümern in den Felsen von Lalibela. Aus der Erde steigen dann die uralten liturgischen Gesänge auf.

Der Choeur de Saint Yaréd trägt sie nun zu IMAGO DEI in die Minoritenkirche. Mit den nordafrikanischen Vokalisten, die sich auch Choeur de Débtéras nach den äthiopischen Mönchen und gelehrten Geistlichen nennen, kommt ein Spieler der Harfe Davids nach Krems. Alèmu Aga, der bereits 2009 bei „Glatt & Verkehrt“ auftrat, begleitet sich bei seinen religiösen Strophenliedern und Volksballaden auf der Bèguèna, dem ältesten Musikinstrument Äthiopiens, das der Legende nach von jener „Harfe“ abstammt, die vor 3000 Jahren der spätere König David gespielt hat. Das damit in das Alte Testament eingeschriebene Instrument besteht aus acht bis zehn Darmsaiten, die Spieltechnik und Tradition dieser Kastenleier wird seit einem Jahrtausend in Äthiopien weitergegeben. Bis heute erklingt die Bèguèna innerhalb von religiösen Festlichkeiten, jedoch immer außerhalb der Kirche, der die Gesänge des Heiligen Yaréd vorbehalten sind.

€ 25.- / 22.-


FILMTIPP: Kino im Kesselhaus, 23. März, 16.00

TEZA
(Äthiopien 2008 >>Regie: Haile Gerima )
Einer der eindrücklichsten Filme aus Äthiopien öffnet den Blick der Zuschauer für die Kultur und Tradition dieses Landes.
(Freier Eintritt mit gültigem IMAGO DEI-Ticket für den 23. März.)

© Florian Schulte

© Florian Schulte