Freitag
22. April 2011

Klangraum Krems Minoritenkirche

Le Poème Harmonique Lamentationen zum Karfreitag von François Couperin

Claire Lefilliâtre, Claire Debono (Sopran); Sylvia Abramovicz (Viola da Gambe); Frédéric Rivoal (Orgel & Cembalo); Vincent Dumestre (Theorbe & Leitung)

„... dass ein Verlassener geduldig sei, wenn ihn etwas überfällt, und seinen Mund in den Staub stecke und der Hoffnung warte.“
Die Klagelieder 3, 28 und 29, Altes Testament


Aleph-Beth-Ghmel-Daleth-He-Vav-Zain-Heth-Teth-Jod-Caph-Lamed-Mem-Nun: In jeden Vers der Klagelieder des Alten Testaments wurde der jeweilige Anfangsbuchstabe des hebräischen Alphabets übernommen. Er ragt als archaisches Mal in die folgenden Texte. François Couperin vertonte in seinen „Leçons de Ténèbres“, die er 1714 im Auftrag der Ordensschwestern der Pariser Abtei Longchamp komponierte, die hebräischen Buchstaben mit weit geschwungenen Melismen für die Stimme, in denen schon die gesamte Gesangslinie der folgenden, lateinisch gesungenen Verse konzentriert ist. Couperin verschmolz auf diese Weise eine in die Renaissance zurückreichende, sakralmusikalische Tradition mit dem ihm ganz eigenen Kompositionsstil feinsinniger und zärtlicher Melodik und Harmonik. Selbst in den ausdrucksvollen Lamentos ist noch etwas von der Anmut enthalten, die dieser empfindsame musikalische Geist bei aller Strenge des kompositorischen Satzes in seine Musik legte. Somit schwingt in Couperins Vertonungen der Verse zur finstersten Stunde am Karfreitag immer auch ein leuchtender Funke Hoffnung mit. Mit jedem gesungenen Vers wurde eine der in der Kirche flackernden Kerzen gelöscht, bis am Ende völlige Finsternis herrschte: Tenebrae factae sunt, dum crucifixissent Jesum Judaei – Dunkelheit entstand, als die Juden Jesus kreuzigten. Durch Couperins Musik dringt schon ein Lichtschimmer der Auferstehung in die Tenebrae-Lamentationen. Das französische Solistenensemble Le Poème Harmonique macht in seinen Interpretationen vergangener Musik immer auch die Aufführungsrituale der damaligen Zeit lebendig und vergegenwärtigt in den Klageliedern des in Versailles als Hofmusiker des Sonnenkönigs tätigen Couperin die Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit den Forschern des Centre de Musique Baroque de Versailles. In der innigen Dunkelheit der Lamentationen werden bei „Imago Dei“ Zeiten und Epochen aufgehoben sein im Klang einer der Unendlichkeit zustrebenden Musik. Wenn die Gesangsstimmen schweigen, werden in instrumentalen Zwischenspielen Klagelieder ohne Worte, wie die durchgängig in Dur flimmernde Melancholie der Gambenmusik „Pompe funèbre“ Couperins, weiter klingen.

KAT I: € 25.- / 22.-
KAT II: € 19.- / 17.-

© Osterfestival Tirol

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