Donnerstag
21. April 2011

Klangraum Krems Minoritenkirche

Helmut Lachenmann Hoffnung Musik

PODIUMSGESPRÄCH
KOMPONIEREN ALS AUSDRUCK VON HOFFNUNG
Helmut Lachenmann & Jürg Stenzl

HELMUT LACHENMANN

EIN KINDERSPIEL (1980)

SIEBEN KLEINE STÜCKE FÜR KLAVIER

SALUT FÜR CAUDWELL (1977)

MUSIK FÜR 2 GITARREN

GOT LOST (2008/2009)

MUSIK FÜR STIMME UND KLAVIER

Helmut Lachenmann (Klavier, Kompositionen); Yukiko Sugawara (Klavier); Sarah Maria Sun (Sopran); Gunter Schneider (Gitarre); Barbara Romen (Gitarre)


„Freiheit ist keine Substanz zum Aufbewahren, sondern eine im aktiven Kampf mit den konkreten Problemen des Lebens geschaffene Kraft.“ Christopher Caudwell

Ein Gründonnerstag für und mit Helmut Lachenmann, dem 75-jährigen Komponisten aus Deutschland, der immer in allem, was er tut, schreibt, komponiert und lehrt, dem von Friedrich Nietzsche formulierten Anspruch folgt, der Kunst in ihrem Selbsterneuerungswillen die höchste Wichtigkeit beizumessen. Lachenmanns kompositorisches Schaffen ist eine überwältigende Ansammlung von Momenten der Öffnung hin zu Neuem, Ungehörtem, Unerhörtem, und dies „oft über die Grenzen hinaus“, wie es der Komponist einmal in Hinblick auf sein Gitarrenstück „Salut für Caudwell“ formulierte. Beispielhaft für Lachenmanns Kunst, strukturelles Denken in gefühlsstarke Botschaften umzuwandeln, wird diese Komposition bei „Imago Dei“ aufgeführt.

Einkomponiert in „Salut für Caudwell“ sind nicht nur mehrere Salutschüsse für den im Kampf gegen die Franco-Diktatur in Spanien gefallenen britischen Dichter Christopher Caudwell, sondern auch Worte aus dessen Buch „Illusion und Wirklichkeit“. Text und Komposition stellen eine Ermutigung dar für Menschen, die den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern sich mit der Wirklichkeit in allen ihren Widersprüchen auseinandersetzen. Lachenmann wurde und wird nicht müde, hören zu lassen, dass die Kunstform Musik immer auch und in besonderem Maße mit Widerständigkeit zu tun hat. Er macht in seiner „Musique Concrète Instrumentale“ spürbar, mit welchen Energien und Reibungen ein Klang und ein Geräusch entstehen. Das ergibt Hörbilder von Umwandlungsprozessen, wie sie uns in der Natur und im Kosmos durch den Kreislauf von Entstehen und Vergehen umgeben. Auch Lachenmanns Schaffen verändert sich, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Philosophie der japanischen Kyoto-Schule: Von klingenden Suchbewegungen nach dem (Scharf-)Sinn sind seine neueren Kompositionen erfüllt wie „Got Lost“ über Texte von Nietzsche und Fernando Pessoa. Inmitten seiner Musik wird Helmut Lachenmann bei „Imago Dei“ hörend und auch über sein Denken und Fühlen redend dabei sein: eine integre Instanz gegen die von Eventkultur verwässerte Kunst, gegen das falsche Pathos und das Profane.

€ 22.- / 20.-

© Promotionfotos

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