Freitag
26. März 2010

Klangraum Krems Minoritenkirche

Totentanz - Fragmente Textmontage/Klangcollage von Christoph Cech

Uraufführung

Janus Ensemble: Christoph Cech (Leitung); Sonja Korak (Flöten); Fabian Rucker (Sopransax, Altsax, Bassklarinette); Balduin Wetter (Horn); Mario Rom (Trompete, Flügelhorn); Alexander Gheorghiu, Simon Frick (Violine); Elaine Koene (Viola); Arne Kircher (Cello); Tibor Kövesdi (Kontrabass, E-Bass); Christian Heitler (Klavier, Cembalo); Berndt Thurner (Perkussion); Raimund Vogtenhuber (Electronics)

Anna Hauf (Mezzosopran), Elfi Aichinger
(Mezzosopran), Agnes Heginger (Sopran), Johann Leutgeb (Bariton)

SchülerInnen des BORG Krems & Jugendliche Flüchtlinge (Integrationshaus Wien)

Auf einer Länge von 30 Metern erstreckte sich das „Totentanz“-Fries in der Lübecker Marienkirche, das 1463 von Bernt Notke unter dem Eindruck der Pest geschaffen wurde. Vom Papst und Kaiser bis zum Kaufmann und Amtmann reicht die Parade der dem Tod geweihten Menschen – keiner kommt ihm aus, auch mit Reichtum und Macht kann man sich nicht von ihm freikaufen. Vor dem Tod sind alle gleich. 1942, während eines Luftangriffes im Zweiten Weltkrieg, wurde der Lübecker Totentanz vollständig zerstört. Das Thema des Totentanzes beherrscht die Kunst seit jeher. Der österreichische Komponist Christoph Cech stellt den Totentanz in einen aktuellen Bezug. Einige Figuren des Lübecker Totentanzes verwandeln sich in seinem Sujet in heutige Archetypen exponierter Menschen, die Kaiserin etwa transferiert Cech zum Supermodel. Aus den Figuren gewinnt er brisante Subthemen. Die Faszination von Schönheit etwa mündet in Krankheiten wie Bulimie. Während heute in der Dritten Welt Menschen Hungers sterben, braucht die im Überfluss lebende Erste Welt Ernährungswissenschaftler, um zu überleben.

„Totentanz-Fragmente“ nennt Christoph Cech seine Komposition für drei Sängerinnen, einen Sänger, ein Instrumentalensemble, Electronics und einen Flüster-Sprech-Brüll-Chor, den er mit sechs Jugendlichen aus dem BORG Krems und sechs Jugendlichen aus dem Flüchtlingslager aus dem Integrationshaus Wien besetzen will. Viele Facetten des ewigen Totentanzes greift der Komponist in seinem dramatischen Werk auf, in dem die heilige Zahl 12 eine wichtige Funktion einnimmt: 12 Chormitglieder, 12 Figuren aus dem Totentanz, die musikalisch lebendig werden, Zwölftonskalen, deren einzelne Töne sich wiederum in einem eigenen modalen Raum entfalten, rhythmische Abfolgen mit der Summe 12 aus geraden und ungeraden Metren. 12 Arten, den Tod zu beschreiben, den Tod als Wandlung erlebbar zu machen.
Wandlung ist Bewegung ist Kybernetik ist Licht: Der Tanz des Todes als untrennbarer Teil vom Leben. So unberechenbar wie der Tod wird der Ablauf der Komposition sein, die einzelnen Texturen und Fragmente
werden musikalischen Aggregatzuständen gleichen und ins Offene führen, in die diffuse Helligkeit der Ungewissheit. Die Musikgeschichte des Totentanzes führt von der einstimmigen „Dies irae“-Sequenz des Mittelalters über Liszts, Honeggers und Distlers Auseinandersetzung mit dem Thema in die Komposition Cechs, die bei „Imago Dei“ ihre
Uraufführung erleben wird.

Die Zusammenarbeit zwischen BORG Krems und KLANGRAUM KREMS MINORITENKIRCHE wird im Rahmen des Programms p[ART] – Partnerschaften zwischen Schulen und Kultureinrichtungen durchgeführt und von KulturKontakt Austria unterstützt.

Kulturkontakt

Eine Veranstaltung von

Musik Aktuell und logo klangraum

© Bernadette C. Reiter

© Bernadette C. Reiter