Donnerstag
01. April 2010

Klangraum Krems Minoritenkirche

Tenebrae, factae sunt Ensemble Odhecaton

Ensemble Odhecaton: Allesandro Carmignani, Raoul le Chenadec, Gianluigi Ghiringhelli, Renzo Bez (Countertenor); Alberto Allegrezza, Mauro Collina, Fabio Furnari, Paolo Fanciullacci, Vincenzo die Donato (Tenor); Giovanni Dagnino, Philippe Roche (Bass); Paolo Da Col (Dirigent)

SALVATORE SCIARRINO: Responsorio delle tenebre a sei voci (2001)
KRZYSZTOF PENDERECKI: Benedic amus Domino - Organum und Psalm 117 (1992)
GIACINTO SCELSI: Antifona (sul nome Gesù) (1970), Three Latin prayers (1970): Ave Maria, Pater Noster, Alleluia
C. GESU ALDO DA VENOSA: Tenebrae Responsoria, Sabb ati Sancti, a 6 (1611)

„und Finsternis ward...“

Musik aus der Dunkelheit leuchtet am Gründonnerstag in der Minoritenkirche auf, Musik zwischen Renaissance und Moderne, die sich über die Zeiten erhebt, von den kühnen polyphonen Schöpfungen des Fürsten Gesualdo da Venosa aus Neapel bis zu den in dessen einzigartige musikalische Welt wieder eintauchenden Kompositionen des Neapolitaners Salvatore Sciarrino, der unserer lauten Welt zum Trotz dem Schatten der Klänge und dem Schweigen zwischen den Klängen Bedeutung schenkt. Sciarrino setzte sich mit Person und Schaffen Gesualdos in mehreren Kompositionen auseinander. In der Oper „Die tödliche Blume“ brachte er die Tragödie von Gesualdos Leben zum Blühen, eines Lebens zwischen Rache und Schuldgefühlen, musikalischen Höhen und psychischen Tiefen. Die Morde an seiner ersten Ehefrau, deren Liebhaber und an einem kleinen Mädchen wurden nie aufgeklärt, doch Gesualdo gestand faktisch seine (Mit-)Täterschaft ein, indem er vor der Rache der Familien der Ermordeten in abgeriegelte Burgen floh. Seine Madrigale und geistlichen Gesänge sind durchzogen von schmerzlichen harmonischen Wendungen und dissonanten Schärfen, streben aber auch immer, als ob sie Schuld und Angst zu entkommen trachten, nach dem Licht und musikalischer Transzendenz, selbst in den Responsorien zum „Sabbato Sancto“, deren Echo fast ein halbes Jahrtausend später in Sciarrinos sechsstimmigen Responsorien auf magische Weise aufleuchtet.

Vor einem halben Jahrtausend erschien auch, schwarz auf weiß, die erste Musik in Druck, die in Venedig erschienene Sammlung „Harmonice musices Odhecaton“ – an der Wende zum neuen Jahrtausend gründete sich in Italien eine Vokalgruppe mit dem Namen Odhecaton, die seit nunmehr einem Jahrzehnt die vokale Polyphonie der Renaissance und deren überwältigenden Reichtum wieder zum Klangleuchten bringt und mit der Gegenwart verbindet.

In die dunkel-hellen Welt(en) von Gesualdo und Sciarrino mischen die Sänger letzte Gesänge eines weiteren italienischen Fürsten, Giacinto Scelsi, der im 20. Jahrhundert der Musik ihre innersten Schwingungen entlockte, und loben und preisen mit der passionierten Musik des Polen Penderecki den Herrn.

„und es ward Licht...“

© www.classicconcert.com

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Odhecaton: Ave Verum Corpus Natum