Freitag
02. April 2010

Klangraum Krems Minoritenkirche

Stundengesänge aus Morgen- und Abendland Ragas im Dhrupadstil und Kompositionen von Hildegard von Bingen

Amelia Cuni (Gesang, Glocken,Tanpura, Mirliton); Maria Jonas (Gesang, Glocken, Drehleier, Shruti-Box); Werner Durand (selbstgebaute Blasinstrumente, Live-Audiomix); Fred Pommerehn (Lichtdesign)

Eine Reise durch die Stunden und Stimmungen eines Tages mit indischen und europäischen liturgischen Gesängen

Die Uhr bleibt stehen, die Zeit hört auf, wenn in Hindutempeln das Ashtayama-Ritual und in mittelalterlichen Klöstern die Liturgie der Stundengesänge den Tag und die Nacht in zyklische Klänge hüllt. So weit die Kulturen und Traditionen von Indien und Europa voneinander entfernt scheinen, so nahe sind sie sich in bestimmten Erscheinungen der spirituellen Bewältigung des Alltags. Die Sängerin Amelia Cuni, die im Studium die indische Musik der Dhrupad-Tradition verinnerlicht hat, die Sängerin Maria Jonas, die sich mit gegenwärtiger Lebendigkeit und Improvisationskunst vielen alten Gesangsformen von der Frauenschola bis zum Trobairitz widmet, sowie der aus dem Minimalismus kommende Musiker Werner Durand, der verschiedenste Blasinstrumente vom Saxophon bis zur iranischen Flöte und zu selbstgebauten Modellen beherrscht, begeben sich auf eine musikalische Reise durch die Stunden und Stimmungen eines Tages, teilen ihn mit indischen und europäischen liturgischen Gesängen in verschiedene Zonen und Stadien vom Sonnenaufgang bis zur tiefen Nacht ein. So verschieden auch ihre melodischen und rhythmischen Parameter und Prinzipien sein mögen, sind Dhrupad und geistliche Lieder des Mittelalters durch die musikalische Rhythmisierung, die sie dem Alltag geben, verwandt. Beide wurzeln zutiefst in einer Tradition der Versenkung. Sie sind musikalische Meditation. In ihrer musikalischen Inszenierung vermischen Cuni, Jonas und Durand indische Melodiefloskeln mit Phrasen etwa aus überlieferten Gesängen der Hildegard von Bingen. Abendländische Bordun-Klänge begleiten indischen Tempelgesang. Dabei öffnen sich in der heutigen Interpretation alter Rituale neue Hörwelten. Statt historische Musik zu rekonstruieren, transponieren sie die beiden Sängerinnen und der Instrumentalist in ihre immer gegenwärtige Energie. Ragas und Kirchenlieder gehen im Klang von Stimmen, Glocken, Drehleiern und Blasinstrumenten eine Symbiose ein.

Konzept und Musik Amelia Cuni, Maria Jonas und Werner Durand

© Dirk Eidner

© Dirk Eidner