Freitag
12. März 2010

Klangraum Krems Minoritenkirche

Lichtzwang Koehne quartett

KOEHNE quartett: Joanna Lewis, Anne Harvey-Nagl (Violine); Elaine Koene (Viola); Mara Kronick (Violoncello)

Wir lagen schon tief in der Macchia, als du endlich heran krochst.
Doch konnten wir nicht hin über dunkeln zu dir: es herrschte Lichtzwang.
Paul Celan (1970)


Zu einem Konzert verschwiegener Klänge, unausgesprochener Worte und unaussprechlichen Schmerzes vereint das Koehne Quartett Streichquartette von Dmitri Shostakovitch, Luciano Berio und Alfred Schnittke. In nur drei Tagen brach das 8. Streichquartett aus dem russischen Komponisten Shostakovitch unter dem starken Eindruck der Erinnerung an die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs hervor, als er im Sommer 1960 in der immer noch von den Zerstörungen gezeichneten Stadt Dresden weilte, um an der Musik zu dem Film „Fünf Tage – fünf Nächte“ zu arbeiten. Im Streichquartett, offiziell „dem Gedächtnis der Opfer von Faschismus und Krieg“, inoffiziell aber vom Komponisten sich selbst als „Erinnerungsstück“ für seinen „dereinstigen Tod“ gewidmet, kam das im Menschen vibrierende Leid im Angesicht von Stätten menschlicher Zerstörung zum Ausdruck. Die innig dunklen Töne kontrastieren mit grellen Klängen, in denen immer noch der Feuerball widerscheint, in den sich Dresden unter dem Bombenhagel während des Zweiten Weltkriegs verwandelt hatte. „Molto lontano“, wie aus weiter Ferne, klingt das „Notturno“ von Luciano Berio, mit dem der italienische Komponist in das Schattenreich der Nacht eintaucht, in deren Stille die Schemen von unvollständigen Gesprächen und dunkle Gedanken zu schriller Lautstärke anschwellen.

„Ihr das erschwiegene Wort“ ist eine Zeile aus Paul Celans Dichterwerk dem Musikwerk vorangestellt, das sich mit unbeweglichen Klängen doch langsam bewegt und in seinen feinen Nuancen aus Klangfarben und Akkordrückungen schimmerndes Licht ins nächtliche Dunkel bringt. Der wolgadeutsche Komponist Alfred Schnittke reagierte mit seinem zweiten Streichquartett auf die erschütternde Nachricht vom Unfalltod der mit ihm befreundeten Filmregisseurin Larissa Schepitko. Ein Cantus verdichtet sich zu einem Lamento, Sequenzen aus dem altrussischen Kirchengesang werden zu mikropolyphonen Aufschreien, instabile Tonleiterstufen verbinden sich zu einem verschwommenen Chor ohne Worte. Aufleuchtende Choralstimmen wenden sich zum Himmel.


In Kooperation mit Ludwig Ritter von Köchel-Gesellschaft

 

Musik in Krems 2010

© www.koehnequartett.at

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