Samstag
20. März 2010

Klangraum Krems Minoritenkirche

Heinrich Schiff: Suiten für Violoncello Solo Johann Sebastian Bach

Heinrich Schiff (Cello)

Johann Sebastian Bach:

Suite I G-Dur BWV 1007
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Menuett I/II, Gigue

Suite II D-Moll BWV 1008
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Menuett I/II, Gigue

Suite IV Es-Dur BWV 1010
Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Bourrée I/II, Gigue

Fällt die Sonne in den Spiegelsaal des Renaissanceschlosses in Köthen, wo Johann Sebastian Bach mehrere Jahre lang als Hofcompositeur des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen wirkte, so vervielfachen sich die Strahlen in ein unendliches Licht der Helligkeit. In den Suiten für Violoncello solo, die Bach wie den Großteil seiner Instrumentalmusik in Köthen komponierte, entsteht aus vielen einstimmigen Melodiephrasen und Motivteilen in der vervielfachten und jede musikalische Bewegung entwickelnden Abfolge eine Polyphonie, in der sich die einzelnen Linien zu einer harmonischen Kuppel vereinigen. Wenn das Generalbassfundament in diesen Solowerken wegfällt, so bedeutet dies keinen Verlust der Harmonik, da die polyphonen Elemente von einem einzelnen Saiteninstrument in Schwingung versetzt werden. Die Stimme des Cellos ist aus vielen kleinen Stimmen zusammengesetzt und fächert sich mehrdeutig und mehrschichtig auf. Bach schöpft das beeindruckende Bassreservoire des Violoncellos aus und lässt die Musik gleichzeitig in tenoralen Höhen dem hellen Licht entgegen streben. Musiker und Hörer sind wie von Klangspiegeln umgeben, aus denen immer neue Figuren hervortanzen. Bachs Suiten für Violoncello sind der Höhepunkt einer Entwicklung, in der seit dem Ende des 16. Jahrhunderts Tänze aus ganz Europa zu Sammlungen zusammengefasst wurden, Tänze, die meist volkstümlich verankert waren, aber ebenso Eingang in die Aristokratie gefunden hatten. Heinrich Schiff wird, nach jeweils einem gewichtigen Präludium, die vereinten Allemanden, Couranten, Sarabanden, Gavotten, Menuette, Bourréen und Giguen in pulsierende und impulsive Bewegungen setzen und aus diesem Kosmos der Instrumentalmusik die Summe seiner musikalischen Erfahrungen ziehen. Von einem einzigen Instrument wird ein großes Bündel an Klangstrahlen ausgehen und die Minoritenkirche ausleuchten.

© Heinrich Schiff

© Heinrich Schiff