Montag
13. April 2009

Klangraum Krems Minoritenkirche

La Cetra d´Orfeo: "Bacchus à la Folie"

Musik des 16. bis 18. Jhds u.a. von  Adrian Willaert, John Playford, Henry Du Mont, Antonio Vivaldi, Jean-Philippe Rameau

La Cetra d’Orfeo:
Laura Pok und Michel Keustermans (Blockflöten); Jorlen Vega und Benoit Douchy (Violinen); Romina Lischka (Viola da Gamba); Marie-Anne Dachy (Cembalo); Jurgen Debruyn (Laute); Stephan Pougin (Perkussion);

Marie de Roy (Sopran);
Michel Keustermans (Musikalische Leitung)

TänzerInnen: Lieven Baert (Choreographie), Jaime Puente, Beate Fritsch, Marie Angeles Hurtado, Chris Vandore, Veerle Fack



Auch wir – am Werktag oder am frommen Fest, / wir wollen, Bacchus’ heiterer Gabe froh,
Wenn wir vereint mit Frauen und Kindern / fromm zu den Himmlischen erst gebetet,
Nach Väterbrauch von unserer Helden Ruhm / ein festlich Lied zu lydischem Flötenschall,
Von Troja und Anchises singen, / von dem Geschlecht der Mutter Venus.
Aus: Horaz, Ode IV, 15

Folia, Follia, Tollheit, Narretei, Ekstase. Nach der Passionszeit übernimmt am Ostermontag Bacchus das Kommando bei „Imago Dei“. Dionysos, die Verkörperung des höchsten ekstatischen Genusses und von den Mystikern der Orphik als Erlöser verehrt, löst den Asketen Apollon am Götterhimmel ab.

Das Ensemble La Cetra d’Orfeo singt, tanzt und spielt zum Ausklang des Festivals eine „Ode à Bacchus“. Die ideale musikalische Grundlage dazu bildet der vor einem halben Jahrtausend in Portugal aufgekommene Tanz der Folia, als italienische Follia in der abendländischen Kunstmusik zu einer leidenschaftlich gepflegten Satzform geworden. Die Zügellosigkeit des Tanzes als musikalisches Prinzip: Nicht enden wollende Wellen von instrumentalen und vokalen Variationen über einem mitreißenden rhythmischen Impuls schwappten über die Musik der Renaissance und des Barock.
Vivat Bacchus. Die Liebe und der Wein: La Cetra d’Orfeo eröffnet die Ode mit einem Tablett randvoll gefüllter Chansons, Trinkliedern von Renaissancemeistern wie Adrian Willaert, John Playford und Henry Du Mont und von anonymen Meistern aus Frankreich, Italien und Spanien. Bacchus, von Nymphen in die Kunst des Flötenspiels und des Weintrinkens eingeführt, feiert Auferstehung.
Suite espagnole. Zu Flöten-, Violin-, Gitarre- und Kastagnettenklängen bringt La Cetra d’Orfeo den Tanzboden mit virtuosen Tänzen der Folia und deren Verwandten wie Jotta, Gagliarda, Paduana und Vilancico zum Beben. Flamenco à la Renaissance.
Zum Kehraus ein farbenprächtiger Strauß an lieblichen und berauschenden Folien von Antonio Vivaldi bis Jean-Philippe Rameau. Und ein Hochlied von Andreas Hammerschmidt auf die „Kunst des Küssens“.

„Nicht zu trocken, nicht zu feuchte, / wie Adonis Venus reichte.“
Aus: Paul Fleming, „Die Kunst des Küssens“



© Cetradancers

© Cetradancers

Folia Eccha Para Mi Senora Dona