Samstag
21. März 2009

Klangraum Krems Minoritenkirche

„Hayren“ - The Music of Tigran Mansurian and Komitas

Kim Kashkashian / Armenien, USA (Viola); Tigran Mansurian / Armenien (Piano, Stimme, Komposition); Robyn Schulkovsky / USA (Perkussion)


„Tief in die Vergangenheit des anderen einzutauchen, ist der beste Anfang für eine Freundschaft.“
Tigran Mansurian über armenische Kommunikation

Der armenische Musiker, Mönch und Poet Komitas (1869 – 1935) hat unendlich viele Volksgesänge in eine komponierte Form gebracht und damit das jahrhundertealte Erbe der armenischen Volks- und Kirchenmusik bewahrt. Von der westlichen Welt abgeschieden, entwickelte sich in Armenien im Zentrum eines vehementen katholischen Glaubens eine vollkommen unabhängige und eigenständige Musik. Ihre tiefliegenden Schichten zu erforschen und begreifen, ist eine wesentliche schöpferische Antriebswelle des armenischen Komponisten Tigran Mansurian (* 1939), der aus dem Boden der armenischen Musik Elementares für seine Kompositionen gewinnt.
Mansurian vergleicht das extrem ökonomische Wesen der armenischen Musik mit der gebirgigen und steinigen Topographie des Landes, wo man sehr gründlich ackern muss, um aus kleinsten Flecken der Erde Fruchtbares zu gewinnen. So bestehen auch Mansurians Kompositionen aus wenigen Grundelementen, die aber vielfältig weiterentwickelt werden.
Der Armenier wird in Krems seine Stimme zum innigen armenischen Gesang erheben und am Klavier zusammen mit der aus einer armenischen Familie abstammenden Bratscherin Kim Kashkashian und der Schlagwerkerin Robin Schulkowsky in seine eigene kompositorische Welt eindringen, in der auch immer die innere Stimme Armeniens mitschwingt.
Komitas hat es angesichts des Völkermords an den Armeniern während der türkischen Offensive im Kaukasus Anfang des 20. Jahrhunderts die Stimme verschlagen. Er starb in geistiger Umnachtung im Exil in Paris. In Mansurian und auch in Kashkashian, deren Bratschenspiel mitunter dem Volksgesang nahe klingt, lebt die Stimme von Komitas und Armenien weiter. „Hayren“ heißt so viel wie „armenische Weise“ und bezeichnet den poetischen Stil von Gesängen, in denen der leidenschaftliche Glaube eines Volkes und dessen Empfindungen in einer rauen Landschaft mitschwingen. Die Hayrenen, ursprünglich zweizeilige Strophen, wuchsen zu reichen Liederreihen über Liebe und Leben an und wurden durch viele Jahrhunderte mündlich weitergegeben, bis Komitas sie zu dokumentieren begann.

„O du Nacht, bleib du immer lang, / währe ein Jahr, wenn du kannst,
Meine Liebe ist bei mir zu Gast, / nach tausend Jahren, wie du weißt ...“
Hayren von dem Dichter Sajat-Nowa, 18. Jahrhundert


In Kooperation mit MärzMusik|Berliner Festspiele


© weitwandern.at

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