Freitag
21. März 2008

Klangraum Krems Minoritenkirche

Stille und Umkehr



„Gelobet seist Du, Jesus Christ.“
Der Choral über das Lob des Herrn liegt der Sonate für Viola solo von Bernd Alois Zimmermann zugrunde. Dem deutschen Komponisten (1918 –1970) war die Durchdringung und Überwindung der Zeit und ihrer Schichten das vorrangige musikalische Anliegen. Dies ließ ihn auch zu Zitaten aus der musikalischen Vergangenheit greifen, da er durch deren Weiterentwicklung eine Verschmelzung verschiedener Zeitebenen erzielen konnte.

„Wie keine andere Kunstgattung ist die Musik dem Vergehen anheim gegeben, ja ausgeliefert; indem ein musikalisches Ereignis geschieht, sinkt es in die Vergangenheit und erweckt Erwartung auf das dem Vergehen Entgegenkommende: die Zukunft.“

Bernd Alois Zimmermann

Im Duo „Intercomunicazione per violoncello e pianoforte“ fordert Zimmermann die Interpreten auf, „die extrem langen Zeitschichten der einzelnen Phasen mit aller Bewusstheit so lange als erforderlich darzustellen“. Die musikalische Wirklichkeit lässt die Hörer die Zeit vergessen.

„Zwischen den Stühlen. Zu keiner Zeit. Herzlich willkommen!“

Renald Deppe begrüßt zur konzertanten Liturgie mit Zimmermann. „In seiner Musik erklingen Trauer und Verzweiflung um unwiederbringliche Verluste, welche entstehen, wenn der Zeitgeist unbarmherzig das nicht seiner ,Norm’ Entsprechende ausgrenzt, verfolgt, vernichtet.“ Während des Zweiten Weltkriegs wurde Zimmermann als junger Mann zum Russland-Feldzug eingezogen. Nach dem Krieg stieß er mit seinem künstlerischen Verantwortungsbewusstsein in der Ablenkungs-Unterhaltungs-Nachkriegsgesellschaft auf taube Ohren. Stille und Umkehr: Dem Titel eines späten Zimmermann-Orchesterwerkes als Wegweiser folgend, landen die Musiker der Cappella con Durezza im „Requiem für einen jungen Dichter“, das Renald Deppe zu einer Musik für Jazzband komprimiert hat. „Denn der Herr verstößt nicht ewiglich“: Vor und zwischen den Zimmermann-Musiken erhebt Anne Bennent die Stimme des Propheten Jeremias.

„Und all das, was ein Menschenherz bewegt.“

Bernd Alois Zimmermann wollte mit seiner Kammermusik „über die Grundtatsachen des menschlichen Lebens nachsinnen, Geburt und Tod, Werden und Vergehen, und über die Liebe ...“ Renald Deppe ergänzt den Komponisten: „Doch erblüht in den dunklen Klängen seiner Nachtmusiken stets auch die Hoffnung, nicht allein zu bleiben.“


STILLE UND UMKEHR
Werke von Bernd Alois Zimmermann:
Sonate für Viola solo;
Konfigurationen für Klavier;
Intercomunicazione per violoncello e pianoforte;
Requiem für einen jungen Dichter
(Bearbeitung für Jazzband von Renald Deppe)

Lesung aus den Klageliedern des Propheten Jeremias

ANNE BENNENT: Rezitation

CAPELLA CON DUREZZA
Susanne von Gutzeit Viola
Margarethe Deppe Violoncello
Mathilde Hoursiangou Klavier
Martin Ptak Posaune
Renald Deppe Saxophon, Klarinette
Michael Bruckner Gitarre
Ali Angerer Tuba
Bernhard Breuer Drums

© Anne Bennet

© Anne Bennet

© Hannes Kilian

© Hannes Kilian