Donnerstag
20. März 2008

Klangraum Krems Minoritenkirche

Moon in a moonless sky. | Troubadoure Allahs



MOON IN A MOONLESS SKY.
(Two)


„Alles, was gesagt werden kann, soll klar gesagt werden.“ Klaus Lang

für Schlagwerkquartett
Klaus Lang: Komposition
Claudia Doderer: Lichtdesign
STUDIO PERCUSSION graz
Hannes Ebner, Günter Meinhart, Roland Neffe, Bernhart Richter

Vier Musiker bewegen den Klang von Osten her, von wo die jüdischen Gläubigen die Ankunft des Messias erwarten und wohin die Christen ihre Gebete und Hoffnungen auf die Wiederkehr des Herrn ausrichten. Die Musik zieht langsam Richtung Westen. Der österreichische Komponist Klaus Lang hat dem Schlagwerkstück „The moon in a moonless sky. (two.)“ eine verbale Fassung vorausgeschickt: „ ... Die einzigartige Schönheit des silbrig klaren Mondlichts zieht den Blick an sich. Manchmal kann es passieren, dass der Mond sich auflöst in seiner eigenen Klarheit.“ Vier Schlagzeuger, die von Instrument zu Instrument gehen, und vier Abschnitte, die ineinander übergehen: Rauschflächen ohne Farbe, erzeugt von Fell-Instrumenten; Aufklarung in der Musik von Holzinstrumenten (Marimbaphon, Xylophon); größte Klarheit in Klang und Rhythmik im Spiel der Metallinstrumente (Glockenspiele) und im nun vollständig erfüllten Raum; schließlich eine Überbelichtung durch den Klang von geriebenen Gläsern. Das Bild von einem persönlichen Gott löst sich auf. Die Musiker verstummen im Westen des Raumes, die Aussage hat sich in den fernöstlichen Raum verlagert. Zur Klarheit des Geistes.

In Kooperation mit MaerzMusik|Berliner Festspiele



TROUBADOURE ALLAHS



„Meine Armut ist meine Zierde.“ Prophet Muhammad

DIE FAKIRE VON SINDH (PAKISTAN)
Syed Aneesul Hasnen, Gul Muhammad, Khabar Soomro, Qadir Bux, Rahim Dino Junejo, Syed Mir Mohammad Shah, Rano

Vortrag von Peter Pannke
DAS DREAMHOUSE VON SHAH ABDUL LATIF
mit aktuellen politischen Hintergründen aus Pakistan

Islam, das heißt: Hingabe an Gott. Sufismus, das ist: ein mystischer Islam und geistiger Hintergrund von 50 Millionen Menschen, von Nordafrika bis Südostasien. In der pakistanischen Provinz Sindh trugen die Sufis den Islam unter die Hindus und Buddhisten. Die Lehren aller flossen zusammen. Die Fakire der Sufis messen der Umsetzung göttlicher Liebe einen weit größeren Stellenwert zu als einer formalen Religionsausübung. Vielleicht wurden als Sufis jene bezeichnet, die sich nach dem Vorbild christlicher Asketen in Wolle (suf) hüllten. Das arabische Wort Fakir spielt in jedem Fall auf den Gedanken der Armut an, wie ihn der Prophet Muhammad verkündete.

„Ich bin das Nichts.“ Shah Abdul Latif

Als einer der bedeutendsten Sufi-Dichter, Shah Abdul Latif, 1752 starb, beschlossen seine Jünger, ihm zu Ehren fortan jede Nacht von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang seine Lieder zu singen, begleitet von der fünfsaitigen Tanpura. Seit nunmehr einem Vierteljahrtausend pflegen sieben Fakir-Gruppen (jede Nacht der Woche eine) das Ritual zu Ehren Latifs im Schrein der Stadt Bhit Shah im Industal Pakistans. Am Gründonnerstag 2008 steht der Schrein in Stein. Das, was von ihrer Musik in den Traum eindringe, behaupten die Fakire, sei noch wirksamer als das im wachen Zustand Gehörte.

© Claudia Doderer

© Claudia Doderer

© Fakire vom Schrein des Shah Abdul Latif Bhitai

© Fakire vom Schrein des Shah Abdul Latif Bhitai