Montag
24. März 2008

Klangraum Krems Minoritenkirche

Laudario di Cortona | Tarantelle d´Amore



„Mein süßer Liebster, du, ach, mein Sohn und Herrscher, du, warum wardst du ans Kreuz geschlagen?“
Laudario di Cortona, Lauda XXV, „Onne homo ad alta voce“

Franz von Assisi begab sich mit seinen Mitbrüdern und besitzlosen fahrenden Sängern unter das Volk und brachte den Armen das Evangelium in ihrer Landessprache bei. Auf diese Weise entstanden im 13. Jahrhundert die Lauden, volkstümliche geistliche Lobgesänge, deren musikalischer Verlauf hauptsächlich mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wurde und die größtenteils ausschließlich textlich erhalten sind. Höchstens in der nicht-liturgischen Musik der Heiligen Woche in Italien, bei den rituellen Gesängen, Sonaten und Tänzen der Prozessionen, geht noch manches auf die Wurzeln des Mittelalters und auf die Laudengesänge zurück.

„Siegreich bist am dritten Tage du erstanden aus dem Grabe.“

Laudario di Cortona, Lauda XXVI, „Iesù cristo glorïoso“

In der toskanischen Stadt Cortona, wo Franz von Assisis Nachfolger, Bruder Elias, das erste Franziskanerkloster gründete, wurde eine Sammlung von Lauden auch mit dem Notentext der Musik aufgezeichnet. Aus dem Codex von Cortona erklingen bei IMAGO DEI 2008 mit dem Ensemble Micrologus, das sich vor zwei Jahrzehnten nirgendwo anders als in Assisi zum musizierenden Erforschen des Mittelalters gebildet hat, Lauden der Heiligen Woche wie „Onne homo ad alta voce“, in dem eine Vorform des „Stabat mater“ zu hören ist, und „Iesù cristo glorïoso“, der Gesang über die Auferstehung. Die archaischen Gesänge haben nichts von ihrer ursprünglichen Kraft verloren, in ihnen klingt die Botschaft vom Herrn ganz nah. Micrologus spannt den Bogen aus dem 13. bis ins 17. Jahrhundert zu Passionsmusiken in Form von Tänzen, weiters zu Gesängen vom Leiden der Mutter Gottes und zu Lobpreisungen, die sich alle in zum Teil fragmentarischen Handschriften aus italienischen Bibliotheken erhalten haben und in denen oft ein volkstümlicher Ton vorherrscht. Dieser Ton wird dann am Ostermontag in der Minoritenkirche endgültig im zweiten Konzertteil zum Ausbruch kommen, wenn Giuseppe de Vittorio in seine Heimat, Italiens Stiefelabsatz Apulien, aufbricht und zu den legendenumwobenen Wurzeln der Tarantella vordringt, dem in der Stadt Taranto zum Ausbruch gekommenen Tanz. Der Sänger, Gitarrist und Perkussionist Giuseppe de Vittorio, der einst als Straßensänger begann, fand in der Tarantella Verbindungen zu ekstatischen Heilstänzen und dem antiken Dionysoskult. Das Leben hat uns wieder am Ostermontag.


LAUDARIO DI CORTONA
Lobgesänge aus dem 13. Jahrhundert

ENSEMBLE MICROLOGUS
Goffredo Degli Esposti: Flöte, Bombarda, Dudelsack
Gabriele Russo: Drehleier, Fidel, Rebec
Gabriele Miracle: Perkussion, Glocken
Simone Sorini: Gesang, Laute
Enea Sorini: Gesang
Mauro Borgioni: Gesang
Marcello Vitale: Schlaggitarre
Patrizia Bovi: Gesang, Harfe
Giuseppe De Vittorio: Gesang, Schlaggitarre

TARANTELLE D´AMORE
Volkslieder aus Apulien
Giuseppe De Vittorio: Gesang, Schlaggitarre
Marcello Vitale: Gitarre
Gabriele Miracle: Perkussion

Mit freundlicher Unterstützung:

© Sergio Fortini

© Sergio Fortini

© Pino di Vittorio

© Pino di Vittorio