Samstag
15. März 2008

Klangraum Krems Minoritenkirche

Almost Human



Maya Beiser, Violoncello
David Cook, Tontechnik
Clifton Taylor und Stephen Arnold, Licht Design
Stephen Arnold Lichttechnik, Projektion
 
PROGRAMM:
TSMINDAO GHMERTO
Anonym
Evan Ziporyn: Arrangement

KHSE BUON (1980)
Chinary Ung

MOTION DETECTOR (2006)
Joby Talbot

FEIGE/ANTIPHONAL SONGS (2003)
Tan Dun

ALL VOWS (2006)
Michael Gordon

I AM WRITING TO YOU FROM A FAR-OFF COUNTRY (2006)
Eve Beglarian: Komposition
Shirin Neshat: Video
Henry Michaux: Text


„Die interessantesten Dinge im Land bekommt man nicht zu Gesicht. Man kann sicher sein, sie nicht gesehen zu haben. Sie nebeln sie ein. ... Sie haben drei Arten von Nebel ...” Aus: Henri Michaux, „Im Lande der Zauberei & Hier Poddema“ Als „Cello-Göttin“ wurde sie vom Magazin „New Yorker“ tituliert. Maya Beiser, aus Israel stammend, ist viel mehr als eine Virtuosin – sie ist beständig dabei, die Grenzen ihres Instruments mit Musik vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu erweitern.

In „Almost human“ verbindet sie die Vergangenheit und Gegenwart in neuen, für sie geschriebenen Kompositionen, die auf alte Traditionen zurückgreifen. Ihr Cello wird zu einer „Voix humaine“, archaische Gesänge von Minderheiten aufgreifen. „Motion Detector“ von dem Engländer Joby Talbot (*1971) basiert auf zentral-afrikanischen Pygmäen-Gesängen. Der Chinese Tan Dun (*1957), mit seiner Filmmusik zu „Tiger and Dragon“ populär geworden, hat sein Duett „Feige/Antiphonal Song“ für Cello und Video Klängen chinesischer Minderheiten abgelauscht. Der Kambodschaner Chinary Ung (*1942) folgt unter dem Titel „Khse Buon“ einer Elegie seines Heimatlandes. „Unsere Gelübde seien keine Gelübde, unsere Schwüre keine Schwüre.” Aus „Kol nidrei“, jüdisches Gebet an Jom Kippur Der Amerikaner Michael Gordon (*1956) ging in „All Vows“ für Cello und Stimme auf das jüdische Gebet „Kol nidrei“ und den Kantoralgesang zurück. Wie oft mussten jüdische Gläubige ihrem Glauben abschwören. Mit "Kol nidrei", im Mittelalter entstanden, baten sie Gott in der Liturgie am Feiertag Jom Kippur, diese Schwüre wieder ungeschehen zu machen. In „I Am Writing To You From a Far-Off Country“ machen sich drei Frauen aus dem Mittleren Osten, die israelische Künstlerin Maya Beiser (*1961), die iranische Filmemacherin und Fotografin Shirin Neshat (*1957) und die aus Armenien stammende Komponistin Eve Beglarian (*1958) als Vertreterinnen der drei monotheistischen Weltreligionen, auf in ein unbekanntes Terrain.

In den Briefen aus einem fernen Land des surrealistischen Dichters, Zeichners und Reisen den Henri Michaux (1899 – 1984) lauschen sie einer darin erhobenen, starken weiblichen Stimme. Es entstand eine „Cello-Oper“ mit einer für europäische Ohren fern klingenden Musik auf der melodischen Grundlage von traditionellen armenischen Gesängen, in denen die Koordinaten von Persien und Griechenland, Türkei und Russland, Christentum und Islam mitschwingen.

© Merri Cyr

© Merri Cyr

© Shirin Neshat

© Shirin Neshat