Donnerstag
05. April 2007

Klangraum Krems Minoritenkirche

Luigi Nono La lontananza nostalgica utopica futura



Annelie Gahl | Violine Solo
Karlheinz Essl | Klangregie

„Caminantes, no hay caminos, hay que caminar“ Diese alte Inschrift an einer Klosterwand im spanischen Toledo wurde in den 1980ern zum kompositorischen und zugleich existenziellen Leitmotiv des venezianischen Komponisten Luigi Nono: „Wanderer, es gibt keine Wege, es gibt nur das Gehen“ – auch unmittelbar, im wörtlichen Sinne. In La lontananza nostalgica utopica futura, Nonos vorletztem vollendeten Werk mit dem Untertitel Madrigale für mehrere ,Wanderer‘ mit Gidon Kremer, durchschreitet der Geigensolist den Bühnen- und Zuschauerraum, in dem die einzelnen Abschnitte der Partitur auf sechs der acht bis zehn Pulte verteilt sind. Die theatralische Aktion enthält somit ein unbestimmtes Moment, ein zielloses Umherschweifen. Und auch die Musik selbst verkörpert die Suche, den Aufbruch über bekannte Grenzen hinaus. 1988 hat Nono in Freiburg das Geigenspiel von Gidon Kremer aufgenommen … ein reicher Fundus an improvisierten Klangmaterialien, charakteristischen Spielweisen, „Klangausrissen“ aus Werken von Bach, Beethoven, Schumann und Brahms, Sprachfetzen und Geräuschen. Daraus entstanden acht Tonspuren, die vom Klangregisseur live gemischt und in den Raum projiziert werden. Die Solostimme integriert bestehende Musik – Nonos frühe Varianti für Violine und Ensemble (1957) und Giuseppe Verdis Scala enigmatica aus den Quattro pezzi sacri – in ausdifferenzierte Spieltechniken und einen flexiblen Klangraum aus Mikrointervallen. Aus dem intuitiven Miteinander der beiden Partien entsteht ein lebendiger Organismus: Solist und Klangregisseur reagieren aufeinander, die Klangbahnen kreuzen einander wie die Stimmen alter Madrigale …

Für Salvatore Sciarrino, den „exemplarischen Wanderer“, erfolgreichen Komponisten und Schüler Nonos, dem das Werk gewidmet ist, verkörpert La lontananza nostalgica utopica futura eine einzigartige ästhetische Metapher: Indem die Vergangenheit durch die Gegenwart reflektiert wird (nostalgica), bringt sie eine kreative Utopie hervor (utopica); die Sehnsucht nach dem Bekannten wird zum Vehikel für das Mögliche (futura) durch das Medium der Entfernung (lontananza). Nonos Klangraum, der in der Kremser Minoritenkirche von der Geigerin Annelie Gahl und dem Elektroniker Karlheinz Essl aufgefächert wird, wird zum Zeichen des Wanderns zwischen den Zeiten, für Nonos beharrliche Suche nach dem Klang, dem Synonym für Schönheit, Wahrheit und Leben.

Ein Projekt in Kooperation von musik aktuell – neue musik in nö


A FILETTA
korsische Vokalpolyphonie

Jean-Claude Acquaviva | Seconda
Paul Giansily | Terza
Jean-Luc Geronimi | Seconda
José Filippi | Bassu
Jean Sicurani | Bassu
Maxime Vuillamier | Bassu
Ceccè Acquaviva | Bassu


Es war in den 1970er-Jahren, als die politisch bis heute für Spannungen sorgende Wiederbelebung nationaler Identität auf der französischen Insel Korsika zu einem einzigartigen Revival der traditionellen korsischen Musik mit ihren vielfältigen, nicht zuletzt italienischen Wurzeln führte. Dorothy Carrington, die Doyenne unter den ChronistInnen der Insel, sagt über die InterpretInnen jener archaischen Vokalpolyphonie, sie würden sich „niemals so vereint fühlen in ihrer Isolation, als wenn sie ihre traditionelle Musik aufführen, die sie von ihrer vergessenen Vergangenheit geerbt haben.“

A Filetta war von Beginn an mit dabei. Die sieben Sänger rund um Jean-Claude Acquaviva waren nicht nur an der Wiederbelebung der legendären dreistimmigen A-cappella-Gesänge Korsikas beteiligt, die von tiefer Religiosität und magischen Stimmen geprägt werden, sondern erregen längst mit genreübergreifenden Projekten in den Bereichen Film, Theater, Oper und Tanz Aufsehen, wofür A Filetta bereits renommierte Preise gewonnen hat.

Für IMAGO DEI lässt die berühmte korsische Vokalgruppe die volksverbundene liturgische Polyphonie bis hin zu den überlieferten gregorianischen orthodoxen Gesängen aufleben – Musik voller Emotion, ungezähmter Spiritualität und archaischer Kraft.

In Kooperation mit


© La Lontananza

© La Lontananza

© Jean-Marie Colo

© Jean-Marie Colo

© Kurt Hörbst

© Kurt Hörbst

© Florian Cramer

© Florian Cramer