Samstag
31. März 2007

Klangraum Krems Minoritenkirche

Ernst Krenek / Olivier Messiaen In memoriam Anton Webern / Quatuor pour la fin du temps



Krenek Ensemble
Musikalische Leitung: Ernst Kovacic

Ernst Krenek (1900 – 1991)
Symphonische Elegie für Streicher in memoriam Anton Webern op.105
5 leichte Stücke für Streichorchester op.116
Adagio & Fuge aus dem 6. Streichquartett für Streichorchester, op. 78a

Zitat:
Auch die Musik antwortet nicht,
aber sie spendet der Trauer über die Stummheit den Trost des Klanges,
in den das Geheimnis tönend verschlossen ist.
Ernst Krenek


In Ernst Kreneks keineswegs unproblematischer Beziehung zum Kreis um Arnold Schönberg war Anton Webern für ihn 15 Jahre lang ein enger Freund und Förderer gewesen … bis er am 15. September 1945 von einem amerikanischen Besatzungssoldaten in Mittersill irrtümlich erschossen wurde. Die wenig später im amerikanischen Exil komponierte Sinfonische Elegie für Streicher in memoriam Anton Webern klingt mit einer „melancholischen Berceuse“ aus, „ein Abschiedsgruß an den so jäh verstorbenen Freund“. Zehn Jahre davor war es Weberns Konzert op. 24, das Krenek, den stets künstlerisch wachen „Wanderer zwischen den Zeiten“ inspirierte.  Der literarisch versierte Komponist empfand in der Strenge und Genauigkeit, die Webern seiner Musik angedeihen ließ, ein Analogon zur moralischen Strenge des von ihm verehrten Karl Kraus und dessen Sprache – und komponierte eines seiner „kompromisslosesten“ Stücke, das sechste Streichquartett, das – wie die Sinfonische Elegie – zu seinen besten Werken zählt. Unter der künstlerischen Leitung von Ernst Kovacic musiziert das Krenek-Ensemble eine ausdrucksstarke Hommage an die Hommage: Ernst Krenek, in memoriam Anton Webern.





OLIVER MESSIAEN (1908 – 1992)

Quatuor pour la fin du temps (Quartett für das Ende der Zeit)

Quartett:
Andreas Schablas | Klarinette
Ernst Kovacic | Violine
Reinhard Latzko | Violoncello
Jean Claude Henriot | Klavier

"Während meiner Gefangenschaft löste der Nahrungsmangel bei mir farbige Träume aus: Ich sah den Regenbogen des Engels und ein seltsames Kreisen von Farben."  (Oliver Messiaen)

Trotz der außergewöhnlichen Umstände seiner Entstehung – Messiaen komponierte das Quatuor pour la fin du temps im Winter 1940/41 im deutschen Kriegsgefangenenlager Stalag VII im schlesischen Görlitz und stellte ihm eine Passage aus der Johannes-Apokalypse voran – ist Messiaens Werk keine „Vertonung“ der grauenvollen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs oder des Jüngsten Gerichts. „Ich habe keineswegs einen Kommentar zur Apokalypse geben wollen“, so der Komponist, „ich wollte nur meinen Wunsch nach der Aufhebung der Zeit motivieren.“ Die Uraufführung des Quartetts fand am 15. Jänner 1941 vor 5000 Gefangenen in Görlitz statt. „Nie“, bekannte Messiaen später, „hat man mir mit so viel Aufmerksamkeit und Verständnis zugehört.“ – Ein Akt der Würde in der menschenverachtenden Menagerie der nationalsozialistischen Lager.

Der Engel, „der das Ende der Zeit verkündet“, rührt an die Grenzen des musikalisch Vorstellbaren. Für Messiaen wurde er zur „geliebten Figur“, dessen „Wunsch nach der Aufhebung der Zeit“ ein musikalisches Paradoxon von größtem kreativem Potential formulierte: „Und ich sah einen starken Engel vom Himmel herabkommen, der war mit einer Wolke bekleidet und ein Regenbogen auf seinem Haupt und sein Antlitz wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen. Und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde. Und der Engel, den ich sah stehen auf dem Meer und auf der Erde, hob seine Hand auf gen Himmel und schwur bei den Lebendigen von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass hinfort keine Zeit mehr sein soll; sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn er posaunen wird, soll vollendet werden das Geheimnis Gottes.“ Johannes-Apokalypse, X, 1-7

Mit Jean-Claude Henriot liegt die Interpretation von Messiaens Quatuor – neben einer hochkarätigen Besetzung mit Ernst Kovacic, Reinhard Latzko und Andreas Schablas – in den Händen eines der außergewöhnlichsten französischen Pianisten unserer Zeit. Henriot, den eine enge und intensive Zusammenarbeit mit Olivier Messiaen verband, hatte das Quatuor pour la fin du temps noch gemeinsam mit dem Komponisten einstudiert.

In Kooperation mit Ernst-Krenek-Institut-Privatstiftung und


© Ernst Krenek

© Ernst Krenek