Freitag
06. April 2007

Klangraum Krems Minoritenkirche

Derek Jarman Blue



- ein Film als Performance -

Simon Fisher Turner – Musik
Rainier Lericolais - Musik
Black Sifichi – Text (in engl. Orignialfassung)

From the bottom of your heart, pray to be released from image.
Derek Jarman

„Dieser ,Film‘ (wenn es überhaupt ein Film ist) ist der letzte des Malers, Schriftstellers und Filmemachers Derek Jarman, der an Aids gestorben ist, und ziemlich sicher auch der beste, den ich je gesehen habe (wenn er überhaupt ,sehbar‘ ist)“, schrieb der Journalist Gridley Minima über Jarmans Opus ultima, Blue, das 1993, wenige Monate vor seinem Tode, entstanden ist. „Eine Stunde und siebzehn Minuten brillanter blauer 35mm-Glanz, starr, beruhigend, irritierend, betäubend, mit einem Soundtrack, zusammengestückelt aus Klang- und Musikfetzen und Jarmans Meditationen über seine fortschreitende Blindheit, den sich anschleichenden Tod und die Blindheit der Welt vor ihrem eigenen langsameren, aber gleichermaßen unvermeidlichen Untergang.“

Bereits 1986 war Jarman HIV-positiv diagnostiziert worden. Er, der seit den 1970er-Jahren seine Homosexualität in seine künstlerische Arbeit integriert hatte, thematisierte von nun an in seinen Werken Aids und die konsequent praktizierte Verdrängung dieser Krankheit in der britischen Öffentlichkeit. 1991, anlässlich einer Aids-Benefizveranstaltung bei der Aufführung von Jarmans Film The Garden im Londoner Lumière-Kino, realisierte Jarman erstmals ein schon länger angedachtes Projekt über Yves Klein und dessen monochrome Bilder – nicht, wie ursprünglich geplant, als Film, sondern als Performance. Jarman und die Schauspielerin Tilda Swinton rezitierten Texte verschiedener Autoren, die sich mit dem Thema Blau beschäftigten, auf eine Leinwand wurde ein Ausschnitt eines blauen Bildes von Yves Klein projiziert und auf dem Boden vor der Bühne saß eine Gruppe von MusikerInnen, die währenddessen ruhige, fast hippieartige Musik spielte. Der Film entstand dann 1993, als Jarman aufgrund seiner Erkrankung langsam erblindete.

„Jarman, der perfekte Bildbastler, dessen Filme im wahrsten Sinne ‚bewegte Bilder‘ sind, in der Auseinandersetzung mit dem Verschwinden aller Bilder aus seinem Sehfeld und dem anschließenden Verschwinden des Bildes seiner selbst ins alles durchdringende Blau des Todes.“ Gridley Minima

Die Aufführung von Blue in der Minoritenkirche greift den Performancecharakter der ersten Realisation auf: Die stumm gespielte Filmversion trifft hier auf eine Live-Version der originalen Filmmusik von Simon Fisher Turner, der gemeinsam mit Rainier Lericolais die Electronics mischt. Dazu rezitiert der Schauspieler Black Sifichi Jarmans Text aus der Filmversion in englischer Originalfassung.


Ein deutsch-englisches Textbuch ist um Euro 7,- an den Veranstaltungstagen erhältlich.

© Mute

© Mute

© Jarman

© Jarman

© Sam B.

© Sam B.