Montag
17. April 2006

Klangraum Krems Minoritenkirche

NOSTRA DONNA Cantigas de Santa Maria

ENSEMBLE MICROLOGUS
Patrizia Bovi Gesang, Harfe, arab. Trompete
Adolfo Broegg Gitarre, Laute
Goffredo degli Esposti Flöten, Trommel, Schalmei
Gabriele Russo Fidel, Rebab, Dudelsack, arabische Trompete
Mauro Borgioni Gesang
Gianni de Gennaro Gesang, Fidel, Drehleier, Schalmei
Gabriele Miracle Hackbrett, Percussion
Ulrich Pfeiffer Gesang, Glocken
Simone Sorini Gesang, maurische Gitarre
Leah Stuttard Harfe, Cymbal

„Noch erging sie's leicht im Anbeginne, doch im Steigen manchmal ward sie schon ihres wunderbaren Leibes inne …“ Erst Rainer Maria Rilke, der große Dichter am Beginn der Moderne, sollte wieder Worte finden, die der zentralen Frauen-gestalt unserer Kulturgeschichte neues Leben einzuhauchen vermögen. Wenn er das „Marien-leben“ erzählt, verblasst alle Frömmigkeit vor den Gefühlen einer Frau, die Gott in sich zur Welt kommen spürt. „… und dann stand sie, atmend, auf den hoh'n  Judenbergen.“

Doch wir befinden uns weit entfernt, im Europa des 13. Jahrhunderts: Am Höhepunkt der mittel-alterlichen Marienverehrung verklärt die West-kirche die Mutter Gottes zur unnahbaren „Himmelskönigin“ – und kann dennoch nicht verhindern, dass ein passionierter Troubadour der Jungfrau Maria sich auf die alten Wurzeln ihres Frau-Seins besinnt. Mit modern anmutendem Weitblick hatte Alfonso X., König von Kastillien und León, an seinem Hof ein Forum für die herausragendsten Gelehrten und Künstler aus Christentum, Islam und Judentum geschaffen und wurde darob el Sabio, der Weise und Gelehrte, genannt. Die auf sein Bestreben entstandene Sammlung der Cantigas de Santa Maria, rund 400 geistliche Lieder zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria, greift in galizisch-portugiesischem Dialekt das schlichte Marienbild der Ostkirche auf: Maria, die leidenschaftliche Mutter, die Mittlerin und Vorbild ist für das Seelenheil der Menschen. In alltäglichen und amüsanten Geschichten erzählen die Cantigas von den kleinen und großen Wundern Mariens – und geraten ob ihrer musikalischen Integrations-kraft zum herausragenden Kunstwerk. Einflüsse europäischer Troubadours und Minnesänger, der Pariser Schule von Notre Dame, spanischer Volkslieder sowie arabischer Musizier- und Improvisationskunst verleiten bis heute zu unkonventionellen Interpretationsansätzen – eine Herausforderung, die das italienische Ensemble Micrologus – weltweit ausgezeichnete und gefeierte Interpreten mittelalterlicher Musik – zu einer aus musikalischer und wissenschaft-licher Sicht neuen Deutung der Cantigas inspiriert.

Eine Kooperation mit dem Verein der Freunde der Kunstmeile Krems.

© NÖ Festival-GmbH

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