Donnerstag
13. April 2006

Klangraum Krems Minoritenkirche

Der Tod wird nach Pfeffer und Majoran riechen...

Karwochenlaudanum nach Texten von Hertha Kräftner (1928 - 1951)
„Ich habe noch selten so deutlich gespürt, dass Glück und Trauer keine Grenzen haben.“

Ursl Langmayr Sopran
Johanna von der Deken Mezzosopran
Anna Hauf Alt
Mirjam Jessa Rezitation
Renald Deppe Klarinette, Komposition

Die früh verstorbene österreichische Lyrikerin Hertha Kräftner wusste um die Vergänglichkeit des irdischen Daseins. Elfjährig erlebte sie 1939 den Beginn des 2. Welt-kriegs. Nach dem Zusammenbruch des angeblich 1000-jährigen Reiches sechs infernale Jahre später blieben der jungen Frau wiederum noch sechs ereignisreiche Jahre. Dann schied Hertha Kräftner mit 23 Jahren freiwillig aus dem Leben. In dieser kurzen Zeitspanne unternahm sie Reisen nach Paris und Skandinavien, studierte Germanistik und Anglistik, besuchte zusätzlich Vorlesungen der Psychologie, der Ästhetik und Philosophie, promovierte mit einer Arbeit über Franz Kafka und arbeitete unermüdlich an der eigenen literarischen Sprache. Bis auf einige wenige Veröffentlichungen zur Lebenszeit erschienen ihre Werkausgaben posthum. Das vorliegende Karwochenlaudanum, eine kontrapunktisch vertonte Textkompilation aus Tagebüchern, Briefen, Prosa- und Gedichtfrag-menten Hertha Kräftners, spiegelt Trauer und Glück, Erfüllung und Sehnsucht, Traum und Wirklichkeit, Wut und Resignation, Hoffnung und Verzweiflung, Unruhe und Einsamkeit einer ganzen Generation. Doch auch in unserer Gegenwart besitzen Hertha Kräftners kostbare Texturen Gültigkeit, sind von bestechend ungebrochener Aktualität. Daran möchten wir dankbar erinnern.


...Weder Kümmel noch Blume...

Saadet Türköz Stimme
Martin Schütz Cello
Bodo Hell Text

Schönheit des gesungenen, geschriebenen, geflüsterten, süßschmelzenden wie aufgerauten Stimmtons, zugleich Atembezogenheit und Durchsichtigkeit der musikalischen Strukturen charakterisieren Saadet Türköz’ Umgang mit den Vorgaben sowohl ihrer kasachisch-türkischen Herkunft als auch ihrer Praxis in westlicher freier Improvisation. Die sympathische Ausnahme-Stimmkünstlerin fand bisher in der Bassistin Joëlle Léandre, im Gitarristen Elliott Sharp, im Oud-Spieler Burhan Öçal sowie im Schweizer Cellisten Martin Schütz, der auch mit ihr nach Krems kommt, kongeniale Partner für ihre hinreißenden Gesangslinien. Bodo Hell, erfahren in und preisgekrönt für seinen Umgang mit gesprochener Poesie und literarischer Performance, hat für den gemeinsamen Auftritt mit Saadet Türköz einen speziellen Textkorpus zum Generalthema Im Zeichen der Venus erstellt.  An diesem Venus-Express-Gründonnerstag darf man auf innige Berührungspunkte und schneidende Kontradiktionen gespannt sein.

© NÖ Festival-GmbH

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